Tochterboot ALTE LIEBE 


 



der früheren DGzRS-Seenotrettungskreuzers ARWED EMMINGHAUS



 
(Bild: Von und mit freundlicher Genehmigung der DGzRS) 

 

Das Datenblatt des Bootes:

  Original Modell
Schiffstyp Tochterboot 
Länge 8,50 m 850 mm
Breite 2,45 m 245 mm
Tiefgang 0,65 m 65 mm
Geschwindigkeit 13 kn  
Motorleistung 100 PS  
Verdrängung 3000 - 5000 kg (je nach Jahr) 5000 gr

Ich habe zwischenzeitlich jedoch die GEORG BREUSING, das Typschiff dieser Klasse besuchen können.
Sie liegt als Museumskreuzer, liebevoll gepflegt im Ratsdelft in Emden an der Georg-Breusing-Promenade und kann für einen kleinen Obulus komplett besichtigt werden. Auch eine Führung ist dort möglich und sehr interessant, nicht nur für Landratten. So konnte ich zumindest mal das ein oder andere Foto schießen, was beim Bau sicherlich auch helfen wird.

Wer weitere Informationen zum Museumskreuzer sucht: Hier geht es zur Homepage des Fördervereins,
der die Georg Breusing unterhält.

EINE BITTE: Sollte ein Besucher dieser Seite noch eigene Bilder der ARWED EMMINGHAUS bzw. des
Tochterbootes aus der aktiven Zeit als Seenotrettungskreuzer der Stationen Cuxhaven und/oder Grömitz besitzen und bereit sein mir Abzüge bzw. eine CD davon zur Verfügung stellen können, wäre ich für eine Kontaktaufnahme per Mail sehr dankbar.  


Zum Projekt:

Es fing damit an den Plan bei den Seenotrettern zu bestellen. Zwar findet man in der Bucht gerne mal
entsprechende Pläne im Angebot, aber da sich die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger
ausschließlich von freiwilligen Spenden und Zuwendungen finanziert, ist dieser Weg meiner Meinung
nach der einzig richtige.

Der Plan wurde dann mittels Kopierer auf den gewünschten Maßstab vergrößert und jetzt warten die
Spanten darauf gespiegelt und ausgeschnitten zu werden. Vermutlich werde ich die Spanten im Rumpf
nach der Laminierung wieder rausbrechen um Gewicht zu sparen. Stabilitätsprobleme sollte das nicht
aufwerfen und das gesparte Gewicht investiere ich lieber in die "Tankkapazität" bzw. das Tieferlegen
des Schwerpunktes: Das Modell soll später wie das Original selbstaufrichtend sein.

Genug zur Theorie. Die Bildersuche verläuft parallel noch weiter, aber ich will jetzt mal endlich ein
kleinwenig beginnen.

Da die Papierspanten bereits ausgeschnitten sind, habe ich diese nun mittels UHU-Sprühkleber auf eine Pappelsperrholzplatte der Größe 1200x600x4mm geklebt. Ich hoffe, dass die Spanten sich dabei 
nicht verziehen (habe mal gelesen, dass die Gefahr bestehen könnte). Aber das werde ich ja sehen
wenn der Kleber getrocknet ist. Da ich mit diesem Kleber aber bereits eine Weltkarte problemlos auf eine Holzplatte "geschweißt" habe, erwarte ich da erst einmal keine "Wellblech"-Spanten.



Auf dem Bild kann man es nicht richtig erkennen, aber in Natura sind die Linien der Rückseite besser
zu erkennen. Mal sehen wie das ganze aussieht wenn der Kleber durchgetrocknet ist.

***

Gute Nachricht am nächsten Tag:
Die Spanten haben noch die richtige Größe und wellig ist da auch nichts geworden.
Beim nächsten Mal werde ich aber wohl den Kleber auf die Spanten statt auf Brett sprühen:
Dadurch klebt die Oberseite der Spanten nicht. Nicht schlimm, mal sehen wie es sich beim
Sägen bemerkbar macht.

***

Beim Aussägen der Spanten gab es (zumindest) mit dem Kleber keine Probleme.
Anhaftende Späne konnte ich problemlos weg wischen.

Leider habe ich hier nur eine über 25 Jahre alte Dekupiersäge stehen... Und gerade Linien
oder saubere Kurvenradien sind damit eher Glücksache. Da kommt noch eine Menge
Schleifarbeit beim Straken auf mich zu. Hurra. Aber eine Hegner-Säge sprengt mein
Taschengeld zur Zeit - Schade, wirklich schade.

***

Anschließend war es an der Zeit das Hellingbrett zu erstellen. Mangels Kohlepapier
(gibt es sowas heute noch?) habe ich die Maße aus dem Plan übernommen und mittels
Geodreieck auf eine 1200x400x18mm große Massivholzplatte übertragen.

Den Kiel habe ich ebenfalls mittels Sprühkleber auf 4mm Buchensperrholzbrett geklebt und danach
ausgesägt.

Danach habe ich Holzleisten (12x12mm) an die Spantenfüße geklebt. Dabei muss darauf geachtet
werden, dass die Mitte der Spanten im 90°-Winkel zu den Holzleisten steht, damit der Kiel später
gerade ist und das Schiff nicht schon im Stand um die Kurve fährt. Dann noch in jedes Fußende ein
Loch gebohrt, damit diese beim Verschrauben auf der Helling später nicht einreißen und die Schrauben
halb eingeschraubt. So hat man es beim Ausrichten etwas leichter weil die Schraube schon an der
Helling "anklopft".

Leider ist der ausgesägte Kiel nicht 100%ig gerade. Ich hege aber die Hoffnung, dass sich das später
-wenn die Spanten stehen- nicht mehr bemerkbar macht. Mal sehen.

Zeit also die Spanten auf die Helling zu schrauben, nachdem ich in Kiel und Spanten entsprechende
Führungsschlitze gesägt habe:



Bisher ist alles erstmal nur lose zusammengesteckt. Ich werde jetzt mal schauen was der Kiel die
Tage macht. Gegebenenfalls werde ich den Kiel noch einmal anfertigen und dabei dann eventuell noch
drei weitere Spanten einsetzen:

Da die Tochterboote dieser Kreuzerklasse zunächst keine Selbstaufrichter waren, wurden sie
nachträglich mit einem Auftriebskörper versehen. Diesen kann man mittels des Kieles (der muss dann
jedoch in diesem Bereich anders ausgeführt werden als der aktuelle) und dreier Schnitte, die im Plan
enthalten sind, beim Rumpfbau direkt berücksichtigen.

Dabei könnte man jedoch das Problem haben, dass man beim Laminieren nur schlecht an diese
Stellen kommt. Mal sehen. Ich warte zunächst mal das Ergebnis beim aktuellen Kiel ab.

***

Es gibt wieder etwas neues:
Mir ist die alte Dekupiersäge so auf die Nerven gegangen, dass ich mir für kleines Geld im Baumarkt
eine Scheppach zugelegt habe. Niegelnagelneu und ein zweistelliger Euro-Betrag haben nicht nur
meine Regierung überzeugt, dass die Anschaffung OK ist.

Jetzt sind gerade Schnitte keine Glücksache mehr - sondern Absicht. Auch bekommen Radien wieder die Rundung, die lt. Plan gewollt sind.

Mit dem Rumpf ist es auch weiter gegangen:





Den Kiel habe ich nochmal neu erstellt. Offenbar ist Sperrholz, das einmal krumm ist, immer krumm
und einen krummen Kiel kann ich nicht brauchen.

Bei der Neuerstellung habe ich noch eine weitere Sache berücksichtigt:
Die Tochterboot der 26,6m-Klasse waren -wie bereits beschrieben- bei Auslieferung durch die Werft
noch nicht selbstaufrichtend. Im Rahmen der Modernisierung hat man den Booten vorne einem
Auftriebskörper "spendiert", was den Booten die "dicke Nase" beschert hat. Diese Formgebung hat nun
auch mein Kiel bekommen - ebenso habe ich die weitere Formgebung der Decksform mittels dreier
zusätzlicher Spanten abgebildet.

Mein Plan ist (eigentlich), die Formgebung später bei Laminieren nutzen zu können. Ob das funktioniert, weiß ich nicht, aber ich mache mir lieber jetzt etwas mehr Arbeit als mir später zu sagen "Hätte ich mal besser.".

Da das mein erster Eigenbau ist, macht jeder Versuch "kluch".

Das nächste Problem, vor dem ich stehe ist: Wie zum Teufel bekomme ich das Heck schön gleichmäßig rund und den Bug so gewölbt, dass es annähernd so wie beim Original aussieht?

***

Nur über die Spanten alleine schien mir nicht sicher genug, deswegen habe ich entschieden auch den
Linienriss im Bug- und Heckbereich zu nutzen und so sieht das ganze dann aus:

-Heck-



-Bug-



Jetzt geht es ans Straken und dann testen wir mal gaaaaanz gaaaaanz vorsichtig den Bauschaum aus... 

***

Die Idee mit dem Bauschaum habe ich wieder verworfen und mich dem Rat eines Modellbaufreundes
bedient: Modelliergips.

Den gibt es günstig beim Baumarkt und man läuft nicht Gefahr, dass der Schaum das Spantengerüst
verzieht. Ob das wirklich so gekommen wäre, ist natürlich nicht sicher, aber ich wollte das Risiko einfach
nicht eingehen. 

Um nicht zuviel Gips zu verheizen, habe ich zunächst den Bug- und Heckbereich mit Altpapier gefüllt 
und dann die Bereich mit Gips gefüllt. Ansich eine Supersache, allerdings zeigte sich nach einiger Zeit, 
dass der Gips im Physikunterricht gewesen ist und das Prinzip mit der Schwerkraft kannte. 
Folge: In den einzelnen Kammern war der Gips etwas nach unten gesackt und zeigte leichte Einbuchtungen
oben und entsprechende Auswölbungen unten. Außerdem sackte der Gips überall dort etwas ein, wo
die Feuchtigkeit das Papier aufgeweicht hat. Shit. Aber - Probleme gibt es nicht - nur Herausforderungen!

Also was tun? Nun, nachdem offensichtlich wurde, dass das Problem nur zum Teil auftraut -und zwar überall
dort, wo recht viel Gips in der Kammer war-  habe ich die Helling nicht mehr waagerecht genutzt, sondern
in einen etwa 45 Grad-Winkel gestellt, sodass die Flächen annähernd waagerecht standen.

Die Aufgabe mit dem nassen Papier habe ich bei den nächsten Flächen auch gelöst: Statt Papier habe ich
kleine Brettchen zwischen den Spanten angebracht. Diese werden nicht weich und lassen es zu, dass die
Gipsschicht dünner ausfallen darf ohne später kaputt zu gehen. Außerdem trocknet der Gips dort schneller.
Hoffe ich zumindest.

Nach dem ersten Gipsdurchgang sieht es erst einmal so aus: 



Die Verarbeitung des Gipses hat ein wenig was vom Herstellen einer Sahnetorte. Wer das schon mal
gemacht hat, was wovon ich rede. Allerdings nehme ich an, dass die Tortenzutaten eher zum
probieren verleiten.





Keine Sorge, da wird noch viel geschliffen, gegipst, geschliffen, (...) bis soweit ist um
laminiert zu werden.  Man kann aber so langsam schon einmal eine gewissen Ähnlichkeit zum
Original erkennen: 




Die Perspektive täuscht ein wenig, die Krümmung beim Modell ist wie beim Original.

Jetzt muss die ganze Sache aber erstmal richtig durchtrocknen. Ich fürchte, das wird eine ganze
Weile dauern.

***

Es hat einige Tage gedauert... Da der Gips nach der Trocknung etwas geschrumpft war, folgten nun
mehrere Spachtel und Schleifgänge bis der Rumpf jetzt glatter ist als es das Original vermutlich jemals
war. Da ist das aber natürlich normal: Die Besatzungen fahren raus wenn andere reinkommen. Da gibt
es schon mal Dellen und Beulen. Natürlich wird auch mein Modell später ein paar Beulen und Dellen
haben - soll ja möglichst "scale" werden. 

Aktuell ist der Gips im Bereich unterhalb der Scheuerleiste fertig zum Laminieren. Jetzt versuche ich
Bug und Heck so zu formen, dass ich diese Bereiche gleich mitlaminieren kann.
Es folgen also wieder Spachtel- und Schleiforgien. Meine Lieblingsbeschäftigung wird das wohl nie.

***

 

Mittlerweile habe ich angefangen den Bereich oberhalb der Scheuerleiste mit Gips aufzubauen.
Die Herausforderung dabei ist, dass aus den Plänen die Deckskrümmung nicht hervorgeht, sodass ich
hier nur anhand der Fotos weiterkomme:

Also immer ein Lage Gips aufbringen, mit einer Schablone grob in Form bringen, trocknen lassen,
wieder ein Lage Gips, usw. Leider dauert es mit der Trocknung immer eine Weile und ich komme
nur langsam voran.

***

Die Zwischenzeit nutze ich daher gerne mal um mir Gedanken über die erforderliche Motorisierung
zu machen. Die Kunst dabei dürfte es wie immer sein, die eierlegende Wollmichsau zu erfinden.

Zum einen soll das Modell sparsam mit dem Strom umgehen und eine lange Fahrzeit zu haben,
zum anderen soll es natürlich ein schönes Wellenbild zeigen und auch etwas Reserve über die
Scale-Geschwindigkeit hinaus haben um auch mal einem Schwan-Angriff zu entkommen.

Da auch mal ein Rauwassereinsatz möglich sein soll, muss der Motor auch kräftig genug sein um
vollgasfest zu arbeiten. Und es soll auch eine Wasserkühlung verzichtet werden können.

Natürlich gab es feste Parameter, die nicht zu ändern sind. So ist die Schraubengröße und
-form durch das Original vorgegeben:

Feststehend sind bei den Überlegungen also

  • die Schraube:
    Raboesch 3-Blatt Schiffsschraube aus Messing 50 mm M4 rechts
    (ggf. auch eine 55er M4 rechts um für Rauwasser mehr Leistung zu haben)
     
  • die Welle:
    Raboesch Wellenanlage 225/6 mm , Welle 261 mm / M4+M4 , #301-05
    (Länge ergibt sich aus dem Plan)
           
  • die Kupplung:
    Robbe Hochlastkupplung Ø 5,0 + 4,0 / 4,0 + 3,2 mm , #1-1446
    (ergibt sich aus den Daten der Wellenanlage und dem Wellendurchmessers vom Motor)

Blieb also die Frage nach dem passenden Motor:

Bürstenmotor oder doch ein Brushless? Innen- oder Außenläufer? Welche Größe? Wie schwer darf
der Motor sein - das Modell wiegt am Schluss zwischen 3000 und 3500 Gramm...
Wieviel Leistung muss der Motor bringen um das Schiff auf etwas mehr als die 13 Knoten vom
Original zu bringen?

Nach dem ich im Netz nicht so wirklich fündig geworden bin, war die logisch Konsequenz sich in
verschiedenen Modellbauforen mal einzulesen. Als letzter Schritt habe ich dann mal eine Anfrage
im schiffsmodell.net-forum gestellt und mit Hilfe einiger User dort habe ich mich dann für den
folgenden Motor entschieden:

Robbe POWER 755/40 - Die technischen Daten:

Spannung 12 - 18V
Strom (max. Wirkungsgrad) 4,5A
max. zulässiger Strom 8A
Umdrehungen (unter Last) 5600 - 8400
Wellendurchmesser 5mm
Gewicht 286 Gramm
Länge ü.a. 83mm
Durchmesser 47mm 

Den Motor habe ich bereits bekommen, Welle, Schraube und Kupplung sollten die nächsten Tage
hier aufschlagen.

***

Da die Entwicklung bei den Akkus scheinbar rasend schnell fortschreitet, werde ich mit der Anschaffung noch etwas Zeit lassen. Natürlich muss auch abgewartet wieviel Gewicht das Schiff noch vertragen kann und danach richtet sich dann auch die Wahl ob NiMH oder LiPo, LiFePo, ... 

***

Aber zunächst geht es erst mal mit dem Aufbau des Decks weiter und deswegen kommt jetzt wieder der Gips zu Einsatz.
 
Schicht für Schicht nähert sich das Deck der endgültigen Form. Es geht aber nur langsam voran:
Die Temperaturen sind im Herbst halt nicht mehr so wie im Hochsommer und deswegen dauert es länger bis die neue Gipsschicht durchgetrocknet. Mal eben alles in die Sonne stellen und fertig - das ist Geschichte.

***

Wenigstens sind jetzt Kupplung, Welle und Schraube in der Werft eingetroffen. Endlich mal ein paar Teile die schon fertig sind. 

Weiterhin noch nicht fertig ist der Rumpf. Zwar hatte ich die letzten Schleifarbeiten erledigt und den Gips mittels Epoxy versiegelt, aber dann gab es eine Wende:

Durch einige Zufälle hatte ich die Gelegenheit einen Blick auf einen Satz der Werftpläne zu werfen und
dabei traf mich dann fast der Schlag: Die Pläne der DGzRS weichen doch in erheblichem Maße von diesen ab.

So ist der Scheuerleistenbereich im Linienriss beim Original sehr viel runder als in den Plänen der DGzRS.
Dort verläuft der Bug sehr viel spitzer. Zwar waren mir die Unterschiede zwischen den paar Bildern und
dem entstehenden Bildern aufgefallen, aber entweder wollte ich das nicht wahrhaben oder es erschien mir nicht ganz so drastisch. Wenn ich mir aber den Unterschied so anschaute, könnte das nur heißen, SO konnte es nicht bleiben.

Was tun? Alles in die Tonne und von vorne anfangen? Nun, so viele Psychopharmaka wollte mir die 
örtliche Apotheke dann doch nicht zur Verfügung stellen und ich habe mich entschlossen den bisherigen Gipsklotz anzupassen. Spannend war für mich nur die Frage, ob ich angesichts des bereits vorhandenen Epoxy dieses Vorhaben auch umsetzen könnte. Andererseits: Mehr als alles in die Tonne konnte ja auch nicht passieren. Mal sehen.

***

Ich habe also erneut eine Schablone für das Deck im Bereich des Bugs gezeichnet und auf eine ABS-Platte übertragen. Dank des Epoxy konnte ich die daraus entstandene Platte mit Sekundenkleber punktuell  befestigen, sodass eine sichere und genaue Positionierung möglich war. 


Danach wurde die Scheuerleiste ebenso "auf Maß" gebracht: Aus 10mm starken Leisten habe ich zwei 
Bögen gesägt, welche dann an die bereits vorhandene Scheuerleiste angeklebt wurden. 
Auf diese Art und Weise stimmt das Profil nun mit dem des Originals überein. 

***

Nun gab es die beiden nächste Herausforderungen zu lösen:
1) Wie bekomme ich den Bereich unter der Scheuerleiste angepasst?
2) Wie bekomme ich die Deckskrümmung weitergeführt?

Das Deck der Tochterboote war vor dem Umbau zum Selbstaufrichter ein sogenanntes Waldeck und der Auftriebskörper war nicht bündig mit der Scheuerleiste angebracht worden. 

Bei Punkt 2 hatte ich Glück: Meine Schablone, mit der ich die Krümmung mitschiffs erstellt hatte, existierte glücklicherweise noch, sodass hier mit ein paar Lagen Gips und schleifen, schleifen, schleifen die richtige Form entstehen wird.

Punkt 1 war da zunächst etwas schwieriger. Allerdings stellt sich im Laufe der Versuche heraus, dass der von mir verwendete Feinspachtel genau die richtige Krümmung hatte um auch diesen Bereich mittels einer Gips- und Schleiforgie in Form zu bringen. 

Und genau diese Schleiferei steht jetzt an. Hurra! 

***

Zwischendurch mal etwas aus einer anderen Werft aus dem Norden der Republik.
Im Rahmen eines Besuches zur Weihnachtszeit gab es die Möglichkeit eine Zusammenkunft der
DGzRS-Geschichte zu organisieren. Der befreundete Kollege baut auch ein Tochterboot eines Cuxhavener Seenotrettungskreuzers, und zwar die BIENE der HERMANN HELMS, der "meine" ARWED EMMINGHAUS mit der ALTEn LIEBE dort abgelöst hat. Die EMMINGHAUS wurde dann ja bekanntermaßen nach Grömitz verlegt.

Beide Modelle befinden sich zu diesem Zeitpunkt fast im gleichen Baustadium, wenn gleich die ALTE LIEBE noch die zu spitze Nase trägt:




Die Linienführung hat sich in den Jahren also schon sehr stark verändert... 



Aber kehren wir nach diesem Exkurs wieder zurück in die eigene Werft und basteln weiter.

***

Etliche Schleifpapierbögen später ist es vollbracht! Rumpf und Deck haben die richtige Form und ich konnte dem Rohling nun den abschließenden Epoxy-Anstrich verpassen. Jetzt heißt es warten bis das Epoxy schön durchgetrocknet ist und dann erfolgt noch eine letzte Kontrolle von eventuell noch vorhandenen Dellen und Beulen. Sollte nichts mehr zu spachteln und schleifen sein, geht es an die Vorbereitungen zum Laminieren...

***

Auf dem Weg zum Laminieren ging es nun mit einer mehr optischen Sache weiter, sodass ich nun auch mal wieder einen (zumindest optisch) großen Schritt machen konnte: 


Nachdem der Epoxyanstrich erneut geschliffen worden ist, habe ich dem Bereich unterhalb der Scheuerleiste so wie dem aufgesetzten Auftriebskörper einen schwarzen Hochglanzanstrich mittels Sprühlackierung verpasst. Leider gab es dabei ein paar Nasen, die aber nach dem Durchtrocknen der Farbe problemlos weggeschliffen werden können. Aber auch diese Nasen haben etwas gutes - ich weiß welche Farbe bei der Lackierung nicht benutzt wird. Solche Versuche mit neuer Farbe sollte man also niemals bei der endgültigen Lackierung machen sondern dabei dann auf bewährtes zurückgreifen! 

Hier mal ein paar "Impressionen": 










Jetzt darf der Lack die nächsten 24 Stunden aushärten und dann kann es mit feinem Schleifpapier
weitergehen.

***

Nachdem der Lack durchgetrocknet ist, habe ich den gesamten Lack nass geschliffen und erneut
lackiert. Jetzt sollte das Urmodell soweit sein, dass ich mich mit dem Wachsen beschäftigen kann.

***

Wenn man sich das Datenblatt von Grundierwachses so durchliest, kommt einem schon der Gedanke,
ob man anschließend noch lange genug lebt um das Modell fertigzustellen. 

Aber ich bin das Risiko jetzt einfach mal eingegangen. Sicherheitsmaßnahmen sollte man natürlich
generell treffen:
So habe ich die nächsten Arbeiten (nach Rücksprache mit meiner Regierung versteht sich)
von der Kellerwerkstatt in der Wintergarten verlegt. Dadurch war dann zumindest schonmal die gute
Belüftung gewährleistet. Die Handschuhe sind natürlich bei derartigen Arbeiten generell ein Muss,
wenn man ein wenig Interesse an seiner Gesundheit hat.

Zur Anwendung kommt bei der ALTEn LIEBE ein Grundierwachs von Toolcraft. Ich habe mir sagen lassen, dass eine zweifache Wachsschicht ausreicht, bevor es mit dem Trennmittel weitergeht. Diese zwei Arbeitsgänge habe ich jetzt abgeschlossen und warte ab bis die Schichten gut ausgedünstet sind.

Die Idee diesen Vorgang mittels einer Wärmelampe zu beschleunigen, habe ich dann aber wieder verworfen:
Ich befürchte, dass sich der Wachs sonst verflüssigt und dann die Wirkung beim Entfernen des Laminates nicht mehr gegeben ist.  

***

Auf die jetzt getrockneten Wachsschichten habe ich mit einem Schaumstoffpinsel aus dem Baumarkt eine Schicht "Folientrennmittel PVA" von Toolcraft aufgebracht. Wenn diese ebenfalls durchgetrocknet ist, kommt eine weitere Schicht um ganz sicher zu gehen, dass alle Stellen auch etwas abbekommen haben. 
Ein / zwei kleinere Stellen habe ich bereits entdeckt die sich beim ersten Mal nicht richtig benetzt wurden. 

***

Nachdem jetzt das PVA getrocknet war, habe ich mich ans laminieren gemacht. Zunächst kamen hierbei zwei 163er-Lagen auf die Form. Um die die etwa 40 Minuten Topfzeit des Epoxyharzes zu verlängern, habe ich die Werkstatt kurzerhand in den Wintergarten verlegt. Bei 5 Grad Außentemperatur dauert es dann doch sehr viel länger bis das Harz "anzieht", sodass hier genug Zeit blieb um ohne Zeitdruck zu arbeiten. 


Die Ecken und Kanten des Kiels sowie die Rundungen stellten dabei eine besondere Herausforderung dar - das Ergebnis war für das erste Mal ganz ok. Mal sehen wie sich das nach dem Trocknen darstellt.
Die Trocknung erfolgt dann natürlich in der Werkstatt bei 20 Grad.  

***

So, das Laminat ist trocken. Leider scheint Epoxy die Angewohnheit zu haben, vor dem "Anziehen" erst nochmal etwas flüssiger zu werden. Blöd, denn so haben sich dann doch ein paar Nasen entwickelt. Shit.
Also das 80er-Nass-Schleifpapier rausholen und die Nasen so wegschleifen, dass das Laminat selbst nicht beschädigt wird. Weiterhin wird schleifen niemals ein Spass für mich. Wenigstens staubt es dabei nicht.

***

Jetzt war es Zeit für die finale Matte mit 80gr/m2. Zunächst eine gründliche Reinigung mit Aceton und
dann konnte es losgehen. Das Material war schon sehr viel leichter aufzubringen als die beiden ersten
Lagen.

Diesmal war ich auch auch die Vermeidung von Nasen vorbereitet:
Nachdem das Harz anfing fest zu werden waren tatsächlich wieder Nasen da, die vorher nicht da waren.
Diese könnte ich dann aber mittels der verschiedenen Roller völlig entfernen. Da das Harz schon eine
recht klebrige Konsistenz hatte, war das sehr leicht die Nasen wegzurollern. Bleibt abzuwarten ob sie 
im weiteren Verlauf nicht wieder auftauchen - Ich hoffe nicht! 

***

Die Hoffnung war nicht unbegründet. Das Ergebnis sieht brauchtbar aus und jetzt darf das ganze noch völlig ausdünsten, bevor es mit dem Spachteln weiter geht.  

***

Nachdem der Rumpf jetzt völlig ausgedünstet ist, konnte es mit dem spachteln weitergehen. Beim
Laminieren sind die scharfen Kanten leider verschwunden, sodass diese beim Spachteln auch erst
wieder herausgearbeitet werden mussten. Ein Dose Polyester-Feinspachtel samt Härter beim Baumarkt
besorgt und es konnte losgehen. Im ersten Spachtelgang konnte ich die gröbsten Unebenheiten 
bearbeiten, aber damit war es dann doch nicht getan. 


Zunächst machte ich die Erfahrung, warum auf der Dose stand, dass das Produkt nach 30 Minuten 
schleifbar ist: 
Nach diesen 30 Minuten ist das Polyester so fest, dass es mit 80er Schleifpapier bequem in Form gebracht werden kann. Wenn man diese 30 Minuten nun verstreichen lässt und sich Zeit bis zum nächsten Tag lässt, ist das Polyester so hart, dass man schon verdammt viel Muskelkraft und Schleifpapier benötigt um da noch eine Wirkung zu erzielen. 

Nun ja, aber auch der erste Schleifgang war dann irgendwann mal erledigt und es konnte weiter gespachtelt werden. Die nächsten Gänge waren dann immer nach spätestens 30 Minuten dran und es ging doch sehr viel leichter. 

Auch die Formgebung gelang sehr gut, die Kanten sind wieder so wie beim Original.

Eine Gewissensfrage stellt sich bei der ganzen Schleiforgie ja dann doch immer wieder: 
Wie glatt soll die Oberfläche werden. Klar - es sollte keine Mondoberfläche entstehen sondern nach der Lackierung gut aussehen. Allerdings sind die Originale Spezialschiffe, denen im Einsatz nichts geschenkt wird und selbst nach der Auslieferung durch die Werft sind diese Schiffe nicht so glatt und eben wie ein gelutschter Drops.

Insofern habe ich grundsätzlich nichts dagegen wenn derartige Modelle den Eindruck
erwecken, dass sie auch ein Arbeitsschiff sind und sich im Einsatz ein paar Beulen geholt haben.
Vorteil für mich: 
Wenn mir meine Erstlingswerk nicht so gut gelingt, ist es eben Absicht gewesen. Auch wenn ich meine, dass man Modellen durchaus unterscheiden kann ob es nach einem harten Arbeitsalltag als Rettungseinheit oder nach schlechtem Handwerk aussieht.

Fünf, oder waren es sieben (?) Schleifgänge weiter war es für´s erste vollbracht. Die nächsten 
Schleifarbeiten für dieses Bauteil erfolgen erst wenn es auf die Lackierung zu geht. 

***

Um die Entformung vorzubereiten, wurden die überstehenden Gfk-Matten entfernt. Aber wie? 
Herausforderung: 
Die Form der Scheuerleiste muss erhalten bleiben und später auch das Deck dann darauf passen. 
Um beim Entformen auch etwas mehr Druck auf den Rand ausüben zu können, habe ich mir folgendes überlegt: 


Die Scheuerleiste wird mittels einer 10mm-ABS-Leiste verstärkt. Hierauf erfolgt dann später die 
Scheuerleistenkonstruktion - dazu später mehr, wenn dieser Bauschritt dran ist. 

Den ABS-Streifen habe ich mit dickflüsigem Sekundenkleber angeklebt. Dadurch ist später mehr Druck 
auf den Rand möglich -so meine Überlegung- um den Rumpf vom Urmodell zu entfernen. 

(Eins vorab: Mehr Druck war beim Entformen tatsächlich möglich ohne Schaden am Rumpf anzurichten, aber das Drama "Entformen" kommt ja erst noch.)

Nach der Scheuerleistenunterkonstruktion wurde oberhalb alles GfK abgetrennt, was überstand und
es konnte mit dem Kiel weitergehen. 
Die ALTE LIEBE hat zum Schutz vor bei Grundberührungen am Kiel eine Gummischiene wie die 
umlaufende Scheuerleiste. Da lag es also nahe die selbe Konstruktion zu wählen. Also kam wieder 
mit Sekundenkleber eine 10mm-ABS-Leiste unter den Kiel. Nachdem diese mit Polyesterspachtel 
formschlüssig am Rumpf eingeschliffen war, konnte es mit dem Entformen weitergehen.

Und damit fing der Horror an: 
Um hier jetzt nicht jede Stunde einzeln nieder zu schreiben, nur soviel: Alle Versuche den Rumpf zu lösen schlug fehl. Kaltes Wasser, heißes Wasser, Hebel, Drücken, Ziehen brachten immer nur kleine 
Bewegungen in den Rumpf und massive Schäden am Urmodell. Auweia.
Weiter brachte mich dann ein Tipp meiner Partnerwerft: 
"Schneide mal den Kiel längs auf, dann sollte es klappen."


Stimmte tatsächlich. Trotz der jeweils zweifachen Verwendung von Wachs und PVA-Trennfilm, ließ
die Form des Kieles keine Bewegung zu, sodass dieser sich bein Abziehen immer selbst bremste. 

Nach ein bisschen Gewalt und Hebeln machte es dann doch noch PLOPP und der Rumpf flog förmlich 
von den Resten des Gipsklotzes. 

Hier also das Ergebnis der Arbeit der letzten Wochen. Der Rumpf muss natürlich noch nachgearbeitet
werden und ich wohl mal meine Kameraakkus öfter laden, aber per Handy reicht es für einen ersten 
Eindruck reicht es - und man sieht nicht gleich alle Fehler.
 





Gut zu sehen der Schnitt im Kiel, durch den das Entformen erst möglich wurde:


Ein Blick ins Innere:
Einige Luftblasen vom ersten Laminatauftrag sind vorhanden, aber ich denke, dass ich eh noch eine Lage
innen anbringe und diese Luftlöcher damit dann entfernen kann.




Und, last but not least, die Frontansicht. Mal sehen wann der Rumpf die ersten Wellen erzeugen
kann - im Idealfall natürlich mit der BIENE zusammen, die gerade auf meiner Partnerwerft an
der Nordsee entsteht:




Jetzt müssen erstmal die Schnitt- und Risswunden abheilen und dann geht es an das Abformen des 
Decks. Da auch dieser Urrumpf-Teil einige Blessuren abbekommen hat, wird es bis zur Laminierung
aber noch etwas dauern. 

***

Zwischenzeitlich habe ich von einem netten Herrn, der nicht genannt werden möchte, auch noch ein paar Bilder des Originales geliehen bekommen. Darauf ist zu erkennen, dass der Auftriebskörper bei der  ALTEn LIEBE doch ganz anders ist als bei den Schwestern ENGELKE (TB der GEORG BREUSING) und VEGESACK (TB der ADOLPH BERMPOHL).

Er verläuft noch viel abgesenkter nach vorne und auch die Nase ist noch steiler. Im Rahmen der
Reparaturarbeiten des Decks werde ich das wohl noch einfließen lassen. Es wird also nicht langweilig.

Hoffentlich kann ich das Deck nach dem Entformungshorror noch soweit retten, sonst ist das wohl ein Neubau fällig. Mal sehen. 

***

Gar nicht so einfach die Nase anhand von Fotos anzupassen. Aber ich glaube, dass ich auch dem
richtigen Weg bin. Da schöne daran ist natürlich, dass jetzt wieder Gips und Schleifpapier zum
Einsatz kommen. 

***

Das Deck ist mittlerweile angepasst und sieht dann jetzt das so aus wie auf den Bildern. Das ganze
erfolgte natürlich wie gehabt mittels verschiedener Schleifpapierarten und des ein oder anderen
Gipsauftrages. Verschiedene Spachtelgrößen erleichterten auch hier die Arbeit. Nachdem letzten
Schliff habe ich alles entstaubt und mit Aceton entfettet, damit der Epoxyanstrich dann auch ordentlich haften kann.
Dann schnell noch das Epoxy angerührt und alles schön eingepinselt. Jetzt muss das Epoxy wieder
aushärten.

***

So, auch hier ist es wieder etwas weitergegangen. Nachdem das Epoxy wieder recht lange gebraucht hat um zu trocknen, obwohl ich mit dem Mischverhältnis Harz/Härter etwas kreativer umgegangen bin,
konnte ich die letzten Tage nun endlich etwas weiter machen. Zweimal wurde jetzt schön gewachst und genauso oft ein PVA-Trennmittel aufgebracht, sodass als nächstes die Matten zurecht geschnitten werden können, um dann das Deck abformen zu können.

***

Das Abformen des Decks habe ich -wie schon beim Rumpf- mittels zweier Lagen 163er und einer
abschließenden Lage 80er durchgeführt. Leider war es zu diesem Zeitpunkt etwa 20 Grad wärmer
als bei den Laminierarbeiten des Rumpfes, sodass mir das Harz so schnell anzog, dass ich eine ganze
Menge Harz entsorgen konnte und zwei Anläufe brauchte.

Die Hoffnung, dass sich das Deck leichter erstellen lassen würde als der geschwungene Rumpf mit
dem Kiel erwies sich leider als Trugschluss. Die Kante der Laufflächen neben dem Aufbau und die
Stufen davon an Heck und Bug führten zu recht großen Problem:

So ist an der langen Kante stellenweise das Laminat aus mir nicht erklärlichen Gründen ausgefranzt. Auch der Versuch diese Fasern in der Zeit des Aushärtens wieder anzurollern war eher nicht so erfolgreich. Aber so ist das halt wenn man sich an neue Techniken wagt. Es läuft nicht alles glatt.

***

Ein paar Tage später war es dann soweit und es konnte ans Entformen gehen. Während ich die Spachtel- und Schleiforgie beim Rumpf vor dem Entformen durchgeführt habe, spare ich mir diese Arbeit beim Oberteil zunächst. Grund hierfür ist, dass ich zum einen noch nicht genau weiß wie ich den Aufbau realisiere (Decksöffnung) und zum anderen erst noch warte, bis der Rumpf zusammengefügt worden ist.

Vermutlich muss ja auch noch eine weitere Lage in Rumpf und Deck laminiert werden um alles so
so stabil zu bekommen wie ich mir das vorstelle. Und mir dabei dann unter Umständen eine fertig
bearbeitete Fläche mit Epoxy zu vermatschen muss ich nicht haben…

Für das Entformen hatte ich mich emotional und zeitlich bereits auf zwei Stunden und/oder das Brechen beziehungsweise Reißen des GfK´s eingestellt, aber es kam dann erfreulicherweise doch anders.

Nachdem ich die überschüssigen Mattenreste grob abschnitten und die abstehenden Fasern an den
Kanten beigeschliffen hatte, habe ich entlang der späteren Scheuerleiste das Laminat vorsichtig
angehoben und mich so zweimal um das Tochterboot herumgearbeitet.
Dabei habe ich mit kleinen Holzkeilen dafür gesorgt, dass die Seiten etwas abstanden und den oberen
Teil leicht unter Spannung hielten. Dann habe ich versucht mit leichtem Hebeln rund um den
Aufbau das GfK zu lösen. Keine fünf Minuten später machte es plötzlich PLOPP und das Deck
„flog“ förmlich vom Rumpf.

Warum das nun soviel besser ging als beim Rumpf… Keine Ahnung.

Die gesparte Zeit habe ich dann gleich mal in die Nachbearbeitung investiert und die Decksschale
grob entlang der späteren Scheuerleiste zugeschnitten. Mit einer gebogenen Lexan-Schere geht
das recht gut, auch wenn ich mir vorstellen könnte, dass die Klinge das nicht ganz so gerne hat.
Danach habe ich dann noch schnell den Ausschnitt für den Aufbau von den überstehenden
Mattenresten befreit und den Hauptteil des PVA-Trennmittels entfernt. Später muss ich da aber
nochmal mit Wasser und Seife dran.

***

Nach der gründlichen Reinigung sind nun auch die letzten PVA-Reste aus dem Rumpf entfernt
und ich habe mich mit dem weiteren Anpassen von Deck und Rumpf beschäftigt.
Dafür wurde eine 3x3mm starke Plastikleiste auf die passende Länge geschnitten, ausgerichtet,
mit Wäscheklammern in Position gehalten und mittels Sekundenkleber auf der Innenseite der
späteren Scheuerleiste fixiert.
An den stark gebogenen Stellen habe ich die Leiste entweder vorgebogen oder mit kleinen Stücken
gearbeitet, damit sich der Rumpf nicht unbeabsichtigt verziehen kann.

Nachdem der Kleber trocken war, konnte es an die weitere Anpassung der beiden Schalengehen: 
Die Ränder des Decks wurden mittels grobem Schleifpapieres bearbeitet und theoretisch könnten
jetzt Rumpf und Deck miteinander verklebt werden.
Da ich aber nicht über die sprichwörtlichen Gynäkologenhände verfüge, werde ich mich zunächst
an den weiteren Innenausbau begeben.

Den Motorspant habe ich aus einer 5mm GfK-Platte anhand des Spantenrisses erstellt und mit
entsprechenden Bohrungen für die Befestigung und Belüftung des Motors versehen.
Um noch etwas Gewicht einzusparen, kommen noch ein paar größere Löcher in den Träger, die
jedoch die Stabilität nicht beeinträchtigen sollten.

***

Nachdem der Motorträger noch ein paar Löcher bekommen hat, habe ich den Elektromotor
montiert und die Welle samt Kupplung angebaut. Ergebnis:
Es scheint soweit alles zu passen. Der Motorspant steht satt auf dem Rumpf auf und die Welle
hat die richtige Länge um die 55er Schraube an die richtige Stelle zu bringen.

Nachdem alles x-mal gecheckt und kontrolliert wurde, habe ich den Motorspant zunächst
mit Sekundenkleber fixiert und dann nochmal die Welle ausgerichtet. Nach dem Abtrocknen des
Klebers habe ich die Welle am Rumpfdurchtritt mit Abklebeband, wie ich es zum Lackieren nutze,
grob fixiert. Ein Funktionstest mit laufendem Motor ergab, dass die Welle ruhig und ohne
Vibrationen läuft, sodass es ans Einharzen der Welle gehen konnte.
(Den Motorspant werde ich erst mit Epoxy in Verbindung bringen wenn ich die noch vorhandenen
Luftlöcher, die beim Laminieren nicht zu meiden waren.)

Und damit fingen die Probleme an - wie das halt so ist wenn man sich an neue Techniken wagt.
Dass Epoxy die unschöne Eigenart hat kurz vor dem Anziehen noch mal etwas flüssiger zu
werden, habe ich ja bereits beim Laminieren des Rumpfes bzw. des Decks gelernt, dass es aber
offenbar schon von Anfang an selbst durch abgeklebte Stellen laufen kann, war mir dann doch
neu.

Aber der Reihe nach:
Die Rumpfschale ist fertigungsbedingt an der Stelle des Kieles, an der die Welle austritt
über die gesamte Höhevon etwa 57mm offen. Was tun? Nachdem die Welle fixiert wurde,
habe ich mit dem Abklebeband die Öffnung komplett abgeklebt und -meiner Meinung nach-
eine dichte Verbindung geschaffen.

Dann also eine letzte Kontrolle ob wirklich alles gerade ist und feststellen, dass die Welle
sich doch wieder etwas zur Seite geschoben hat. Wie also die Welle fixieren?
 
Nun soll das Modell später -wie das Original- durchgekentern können und sich von selbst
wieder aufrichten können. Dafür ist neben dem Auftrieb, der durch die Aufbauten bzw.
die dicke Nase entsteht, auch ein möglichst tiefer Schwerpunkt erforderlich.
Aus dem Grund habe ich zwei Bleiplatten, wie sie üblicherweise zum Trimmen genutzt werden
links und recht von der Welle in den Kiel gesteckt und siehe da:
Die Welle sitzt nicht nur fest, sondern auch genauso wie sie soll.

Also Epoxyharz und Härter mischen, den Rumpf in einer "bergauf"-Position fixieren und
das Epoxygemisch in den Kiel schütten. So erst einmal gut aus. Damit das Harz beim
anschließenden aufrechten Abstellen nicht oben aus dem Kiel in den Rumpf läuft, wurde dieser
mit Paketband abgeklebt.

Doch dann der Schock:
Das Harz rann fleißig aus dem abgeklebten Teil des Kieles heraus und ließ auch über die Welle
mit Schraube... Aaaarrgghh....
Jetzt war guter Rat teuer und es etwas eilig. Zum einen musste das Leck gestopft werden und
zum anderen die Schrauben gesäubert werden. Hoffentlich bleibt die Welle beweglich wenn
das Epoxy in den nächsten Tagen durchgetrocknet ist.

Das Abdichten war eine ziemliche Sauerei, scheint aber erfolgreich gewesen zu sein. Nach einigen
vielen Streifen Abklebeband trat zumindest erstmal nichts mehr aus.

Schlimmer war das Problem der Schraube. Mit Küchenrolle und gefühlten 3 Litern Aceton habe ich
versucht die Schraube zu reinigen und vom Epoxy zu befreien. Es scheint zumindest mal
für´s erste funktioniert zu haben.
Meine Bedenken zur Welle habe ich ja schon erwähnt. Da hilft wohl nur abwarten und die Welle
jetzt ab und zu mal drehen. Natürlich muss die Schraube später auch noch abgehen........
Wir werden sehen.

***

Natürlich ließ die Welle mit jeder Minute schlechter drehen... Also habe ich die Wellenanlage vorsichtig 
auseinander genommen und die Welle aus dem Stevenrohr entfernt. Wie befürchtet war Epoxy
ins Rohr eingedrungen und härtete so langsam aus. Super!

Glücklicherweise war es mit Aceton und einiger Knibbelei möglich das Zeugs restlos zu entfernen.
Jetzt läuft die Welle besser als je zu vor. Zumindest rede ich mir das ein.
 
Erfreulicherweise härtet das Epoxy aber schon deutlich aus. Mal sehen wann das soweit
durchgetrocknet ist, dass es weitergehen kann.

****

Nachdem das Harz im Wellenbereich komplett durchgetrocknet ist, konnte es mit dem Antrieb
weitergehen. Der Motor wurde entstört und mit Kabeln versehen, in den Motorträger einsetzt
und mittels Kupplung mit der Welle verbunden. Noch zwei Schrauben und Unterlegscheiben
aus Edelstahl durch den Spant gesteckt und festgeschraubt – schon ist die Antriebseinheit
grundsätzlich erst einmal fertig. Das Einharzen des Motorspants erfolgt etwas später.
Für die kurze Klebestrecke will ich jetzt nicht extra Harz anrühren.

Dann sollte es eigentlich mit dem Aufbau weitergehen. „Leider“ sind mir dann aber bei der
Erstellung der Seitenteile einige Unstimmigkeiten bezüglich der Deckskrümmung des
Auftriebkörpers aufgefallen. Zwar hatte ich diesen Bereich ja bereits am Urmodell nachgearbeitet,
aber neue Fotos aus anderen Perspektiven brachten dann doch noch zu Tage, dass hier eine
erneute Anpassung erfolgen muss.

Aus dem Grund habe ich das Urmodell dann mittels einiger Holzleisten (als Unterkontruktion)
und einer an die Decksform angepassten Polyplatte soweit erhöht und gekrümmt, dass jetzt
(hoffentlich) eine dem Original entsprechende Nasenform entstanden ist.
Mittels Paketklebeband wurde zum Laminieren bestimmte Bereich nun sauber abgeklebt
und mit Wachs und PVA-Trennmittel behandelt, sodass das Laminat später hoffentlich problemlos
zu entformen ist ohne dabei „entform“ zu werden.

Um dem Laminat ausreicht Zeit zum Durchtrocknen zu geben, habe ich mit dem Laminieren gleich
nach dem sichtlichen abtrocknen des PVA-Filmes begonnen. Um wieder mal kein Risiko bezüglich
des klebefreien Aushärtens zu bekommen, wurde das vorgegebene Mischungsverhältnis von
100:40 (Harz/Härter) auf Pi mal Daumen 100:48 geändert. Die Dosierung der Harzfarbe erfolgte
anschließend mit den empfohlenen 10% des Gewichtes des Harz/Härter-Gemisches.
Die zuvor mit etwas Übermaß zurecht geschnittenen drei Lagen 80er Gewebe wurden dann der
Reihe nach aufgebracht, mit einem Pinsel vorsichtig festgetupft und jede für sich jeweils sehr
sorgfältig „gerollert“ um Lufteinschlüsse zu beseitigen.

Nachdem dies erledigt war, erfolgt dann alle 15 Minuten eine weitere „Abrollaktion“ des
frischen Laminates. Ich wollte auf jeden Fall vermeiden, dass sich – wie in der Vergangenheit ja
immer geschehen – auch nur den Ansatz einer Nasenbildung zeigt. Glücklicherweise kam es jedoch
zu keiner solchen. Vielleicht lag es an der doch recht ebenen Fläche oder habe ich einfach nur
den Bogen mit der richtigen Dosierung raus? Keine Ahnung. Ist mir aber auch fast egal.
Das Ergebnis zählt.

Jetzt muss das ganze wieder mindestens 24 Stunden aushärten. Vermutlich eher etwas länger,
denn in der Werkstatt sind es aktuell doch ein paar Grad weniger als 20 Grad. Wenn sich das
Wetter heute hält, könnte ich natürlich über einen Trocknungsgang im Wintergarten nachdenken…
Mal sehen was der Wetterbericht für morgen und meine Regierung dazu sagen.

***

Das Aushärten hat dann doch etwas länger gedauert, aber das Ergebnis gefällt mir.
Jetzt kann eigentlich das Deck mit dem Rumpf verklebt werden – Eigentlich, weil zuvor noch ein
paar Einbauten erforderlich sind die mit dem Deck nicht mehr oder nur mit Gynäkologenhänden
möglich wären. Da ich über letzteres nicht verfüge, baue ich also die Servo-/Ruderkombination
sowie die Halterungen für die Elektronik vorher ein.

Als Ruder kommt ein Fertigspatenruder mit abgedichtetem Koker zu Einsatz, das ich noch
in meiner Grabbelkiste hatte. Da die Ruderfläche die falsche Form und Größe hat, habe ich
zunächst das Ruderblatt mit ein paar Löchern versehen und die korrekte Form des Ruders
aus einer 1mm-GfK-Platte gesägt. Das gelöcherte Ruder und die GfK-Außenseiten des Ruders
wurden dann mit Stabilit verklebt. Nach der Trocknung gab es noch ein Schleif-Finish.

Danach habe ich die Position für den Koker bestimmt, ein passendes Lock in den Rumpf gebohrt
und aus 1mm-GfK eine Platte ausgesägt, die den Koker oben stabilisieren soll. Da die ALTE LIEBE
auch mit Rauh-Wasser in Berührung kommen soll, ist diese Platte „formatfüllend“ über den
gesamten Heckbereich verlaufend und nimmt zwischen Heck und Koker auch gleich das Servo
auf. Eine andere Servo-Position gibt es auch nicht, denn um kurze Wege beim Gestänge zu
ermöglichen, kann das Servo nur dort platziert werden. Weiter in Richtung Bug ist die Pflicht
im Weg. Das Servo wirkt über zwei Stangen auf die Ruderarme, die wiederum durch Rohre
verstärkt sind. Ich gehe davon aus, dass diese Konstruktion stabil genug und zuverlässig ist,
denn wenn das Deck drauf ist, gibt es nur noch den ca. 6cm breiten Mann-Loch-Deckel um
in diesen Bereich vorzudringen.

***

Als nächstes war die Montage der Fundamente für die Aufholvorrichtung im Unterwasserschiff-
bereich dran. Diese Besteht aus einer 1mm-Gfk-Platte, die in Form gefeilt und durch jeweils
einen Schlitz an Back- und Steuerbord geschoben wurde. Die Verklebung erfolgte mittels
großzügigem Stabilit-Einsatz. Außen kam dann noch eine Abdeckung aus ABS davor,
die beim Original natürlich aufgeschweißt ist. Die erforderlichen Löcher an den herausragenden
Stücken folgen später wenn ich passende Schäkel gefunden habe. In dieser Größe wird das
vermutlich nicht einfach – das hat ja noch etwas Zeit.

***

Beim genaueren Betrachten der Bilder des Originales fiel mir zwischenzeitlich auf, dass die
Schweißnähte nicht nur sichtbar, sondern im Maßstab 1:10 eigentlich auch ein Muss sind.
Nun hatte ich in einer Modellbauzeitung von einem 1:5er Strandrettungsboot gelesen, bei
dem die Schweißnähte mit Ponal hergestellt wurden. Leider war ich aber entweder zu doof
oder der Kleber zu warm/zu kalt/zu wasauchimmer, jedenfalls hat das nicht funktioniert.
Ich bin auf Hinweis meiner Partnerwerft dann auf Polystyrol-Streifen gekommen.
Mit einem 0,5 x 0,5mm breiten Streifen habe ich die Schweißnähte daraufhin entsprechend der
vorliegenden Fotos auf dem Rumpf geklebt. Dabei muss man zwar etwas improvisieren, da
mir keine Bilder vom Unterwasserschiff der ALTEn LIEBE vorliegen, aber dank eines DGzRS-
Video´s aus den 1980/1990iger Jahren (?) war dieses Problem dann doch zu lösen:
In dem Film gibt es den Kentertest der VEGESACK zu sehen, der anlässlich des damaligen Umbaus
zum Selbstaufrichter durchgeführt wurde: Wir erinnern uns? Damals kam die dicke Nase an die
Tochterboote der Kreuzer BREUSING, BERMPOHL und EMMINGHAUS.

Darin sind die Schweißnähte recht gut zu sehen. Nach dem Aufkleben werden sie dann
noch einfache mit Schmirgelpapier bearbeitet, damit die Form etwas homogener wird.

***
Um mal wieder -vor allem optisch- etwas weiter zu kommen, habe ich mir jetzt mal den Motor
genommen und diesen mittels Power-Kupplung mit der Welle verbunden. Akku angeklemmt,
Motor läuft... nur eben irgendwie nicht mehr so leise wie zunächst beim Testen vor dem
Einharzen. Mist... Da hat man einen 5mm starken Motorhalter aus GFK und diesen "für die
Ewigkeit" eingeharzt und dann läuft das nicht so fluchtend wie es sein soll.

Ergebnis: Das motorseitige Lager der Welle wird gefährlich heiß. Super Sache. Also Trennscheibe
raus und den Halter so weit wie möglich nah am Rumpf "abflexen", neu ausrichten und dann
sicherheitshalber mit montiertem Motor neu ausrichten.
Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich den Träger verkleinert, sodass die vorgesehenen Akkus
seitlich neben den Motor passen. Dies ist nach einer Schwimmprobe im Pool meiner Nichten
der ideale Platz für die Stabilität und den erforderlichen Tiefgang des Tochterbootes.

Ein weiterer Test nach der Montage der Antriebseinheit ergab jetzt einen ordentlichen Motorlauf
und ein Wellenlager im Normbereich der Temperatur. Es kann also weitergehen.

Zunächst muss jedoch noch einiges an GfK/Harz-Resten des jetzt verkleinerten Motorspantes
entfernt werden. Da meine Proxon-Trennscheibe jedoch im Rahmen der Trennung das Zeitliche
gesegnet hat, muss ich erst für Ersatz sorgen... Aber das sollte kurzfristig möglich sein.

***

So, eine neue Trennscheibe wurde angeschafft und die Reste soweit wie möglich entfernt ohne
den Rumpf zu beschädigen. Jetzt ist genug Platz für die Akkus beziehungsweise deren Halterungen und die Trennscheibe auch annähernd blank. Mmmh... Nunja.

***

 

Keine Sorge: Das Projekt wurde nicht eingestellt, aber mir fehlte einfach die Zeit hier mal wieder
etwas zu schreiben. Aber es ging im Hintergrund dennoch weiter:

So habe ich mir aus einer 1mm-GfK-Platte die Halterung der beiden LiPo-Akkus erstellt und diese
so positioniert, dass die Akkus links und rechts der Welle bzw. hinter dem Motor und vor dem
Plichteinsatz liegen. Um die Position der Akkus zu bestimmen, hatte ich in der Vergangenheit
mal das Planschbecken meiner Nichten genutzt. Das war mir aber dann doch etwas zu müßig und
so war ich auch der Suche nach einer geeigneten Testwanne. Der Einbau einer Badewanne ins
Bad fand ich etwas übertrieben und beim eher zufälligen Besuch eines dieser Insolvenzmasse-
Aufkäufer-Läden habe ich dann eine Plastikwanne gefunden, die die gewünschten Maße hatte.
Der Vorteil dieser Wanne: Sie ist lang und breit genug, damit die ALTE LIEBE [diagonal] reinpasst
und sie hat sogar kleine Rollen, mit denen ich sie (dank der im Keller befindlichen Werkstatt) nach
Gebrauch bis zum Ablauf rollen kann.

Das Akkubrett wird nach aktueller Planung auch den Fahrtregler aufnehmen. Der Empfänger hingegen
wird im Aufbau seinen Platz finden.

***

Nachdem diese Arbeiten abgeschlossen waren, ging es an etwas Größeres:

Rumpf und Deck wurden aneinander angepasst, mit reichlich Klebeband fixiert und dann Stück für Stück mit Stabilit Express verklebt. Gar nicht so einfach an die Nahtstellen im Inneren zu kommen. In der Regel fehlte meinem Arm immer mindestens ein weiteres Gelenk. Ich habe dann zwischenzeitlich versucht mal den Stabilit in eine Spritze zu füllen und den Kleber auf diese Weise in die entfernteren Ecken zu verteilen.

Aber auch dieser Versuch hielt meinen Anforderungen nicht stand: Irgendwie lief das Zeugs nicht dahin wo ich meinte es haben zu wollen.
Letztlich habe ich mir ein paar Gummihandschuhe, wie man sie aus dem Rettungsdienst kennt, genommen und den Kleber mit den Finger verteilt. Das Ergebnis war besser als vermutet, denn das war eigentlich eine reine „Verzweiflungstat“ – aber egal. Das Ergebnis zählt. Jetzt ist alles verklebt und kleinere Undichtigkeiten sind auch gleich behoben, denn Stabilit ist ja erfreulicherweise spaltfüllend.

Während der Stabilit aushärtete, habe ich den Rumpf mittels eines Ventilators gekühlt, da es während der Trocknungsphase zu einer gewissen Wärmeentwicklung kommt, die an Klebestellen, die etwas
dicker ausfallen nicht zu unterschätzen sind. Ein paar Beulen im Rumpf sind ja gewollt, aber nicht an der Nahtstelle hinter der umlaufenden Scheuerleiste.

***

Wie sollte es weitergehen? Nachdem der Rumpfkörper soweit fertig war, ging es mit dem Aufbau weiter.
Ich habe das Bauteil sehr lange vor mir her geschoben, da ich mir nicht sicher war wie ich diesen
gestalten würde. Komplett abnehmbar, so wie Graupner es bei dem Bausatz der 9,5m-Klasse
gemacht hat oder so wie ich es beim Schaufahren in Emden bei einem Modell des Tochterbootes ERIKA gesehen habe? Dort war nur das Dach abnehmbar. Nun war die ERIKA in Maßstab 1:25 gehalten und das Dach dementsprechend klein. Auf 1:10 müsste das doch zu händeln sein…

Ich habe mich dann doch irgendwann dazu durchgerungen den Aufbau incl. der Plicht als ein Bauteil
zu erstellen und nur das Dach abnehmbar zu gestalten – aber dazu später mehr…

***

Da der Aufbau mit dem Rumpf verklebt wird, waren vor dessen Anbringung noch einige weitere Teile
zu fertigen die nach der Aufbaumontage mangels Platz bzw. Erreichbarkeit nicht mehr montiert werden
können. Hierzu zählen die Mann-Loch-Deckel auf der Back und am Heck, wobei dort auch noch
der Trossenanbweiser und der Poller ihren Platz finden mussten.

 

***

Die beiden Mann-Loch-Deckel habe ich anhand von Bildern des Originals und der DGzRS-Unterlagen
erstellt. Sie haben einen Durchmesser von 60mm und bestehen aus verschiedenen 1mm-Lagen Polysterol.
Wegen der Deckskrümmung habe ich kurz mit dem Gedanken gespielt die Luken aus einen Rohr und
einem passenden Deckel zu erstellen, aber in Ermangelung eines ensprechenden Rohres und den
befürchteten Undichtigkeiten habe ich darauf dann doch verzichtet.
Galt es noch die Deckskrümmung auszugleichen, die insbesondere am Heck nicht unerheblich ist.

Hier habe ich die nach dem Befestigen der Luken den vorhandenen Spalt mit Polyestherspachtel gefüllt und diesen nach etwa 20 Minuten begonnen zu verschleifen.

Danach wurden anhand der Bilder des Originals noch Löcher für die Nietenimmitationen aus
nichtrostende Nadeln gebort und die Nadeln mit Sekundenkleber fixiert. Vorher habe ich die Nadeln
natürlich noch gekürzt - ich will mich ja nicht punktieren wenn ich mal in den Rumpf greifen muss.

Der Trossenabweiser am Heck besteht aus einem 3mm starken Messingdraht, den ich in Form gebogen und mit Stabilit verklebt habe.

Hinter dem Trossenabweiser hat die ALTE LIEBE einen kleinen Poller. Dieser entstand aus einem
9mm starken Messingrohr, einem 2,5mm Messingsdraht und einer 1mm Polyplatte als Unterkonstruktion, wie sie das Original auch besitzt.

Das 9mm Rohr bekam zwei Bohrungen, durch die der Draht geführt und anschließend verlötet wurde.
Leider konnte ich den Poller nicht bis auf den Boden des Rumpfes reichen lassen um ihn dort zu verkleben:
Das Servo für die Ruderanlenkung wäre im Weg gewesen. Schleppeinsätze sollten also nicht unbedingt
über diesen Poller erfolgen. Im Heck wurde der Poller mit Stabilit eingeklebt und das war Dank des Servos recht knifflig.

Und so sieht das Heck nach der Montage aktuell aus:

 

 

Bei der Luke fehlen noch das Handrad und die Scharniere, aber die kommen erst nach der Lackierung
an ihren Bestimmungsort.

Auf der Back habe ich die Vorschiffabdeckung aus zwei Lagen 1,5mm Polyplatten aufgeklebt und darauf
den Mann-Loch-Deckel montiert. Wie schon beim Heck habe ich auch hier die Krümmung des Decks mit
Spachel ausgeglichen und die Nietenimmitationen erstellt.

Neben diesen Arbeiten habe ich diese Woche mal meine Überstunden genutzt und weitere
Details erstellt:

So habe ich den vorderen Poller aus einem 9mm Messingsrohr, einem 2,5mm Messingdraht,
und einer Messingplatte, die ich aus dem 9mm-Rohr gefertigt habe, hergestellt und auch die Reling
auf der Back habe ich anhand von Fotos zusammengebruzzelt.

Poller und Reling beim Original:

... und so sehen die Modellversionen aus:

Für die ersten Lötgänge mit nem Brenner kann ich mit dem Ergebnis wirklich leben. ;o)

Bei diesem Poller habe ich das umgesetzt was beim Heckpoller aus Platzgründen nicht
möglich war: Er wird bei der Montage im Kiel verankert, sodass auch mal ein abschleppen
lassen möglich ist.

Noch eine Anmerkung zur Reling: Sie ist noch nicht ganz fertig. Beim Original konnte man
diese Reling neben der liegenden Position auch noch um 90 Grad nach oben klappen, sodass
hier ein Rettungsmann sicher stehen konnte um zum Beispiel eine Leine zu werfen usw..
Ob ich diese Funktion realisiere, weiß ich noch nicht. 

***

Was gibt es noch Neues?

Der Haken für das Wiederaufholen des Tochterbootes in die Heckwanne der ARWED EMMINGHAUS
ist fertig. Auch hier halfen Fotos von Original um den Haken einigermaßen originalähnlich
zu erstellen.

Der Materialaufwand dafür:

1,5er Messingdraht
8mm Messingrohr
Lötdraht sowie
einige Brandverletzungen...

Warum Brandverletzungen? Nun, so eine Lötbrenner entwickelt eine gewisse Wärme und das
Messing leitet diese - sagen wir mal - sehr gut.

Das Problem beim Bau dieses Hakens war weniger das Biegen und Bearbeiten des Messings:
Aus einem Rohr zum Beispiel ein gerades Stück zu machen, ist keine große Kunst. Aber diese Stücke
dann an den Haken zu löten ohne dass ständig andere Lötstellen wieder weich werden und damit
die vorherige Arbeit für die Katz´ war, ist eine Herausforderung. Ich weiß nicht wie viele Flüche hier
gefallen sind, aber es waren einige.
Letztendlich ist dann aber doch noch ein Haken dabei herausgekommen, der dem Original ähnlich sieht:



***

Als nächstes habe ich mich an die umlaufende Scheuerleiste gemacht. Das Problem dabei:

Aus den Unterlagen der DGzRS geht die Dicke nicht hervor und an Maße bin ich nicht
gekommen. Nun habe ich bei meinem Besuch auf der BERLIN in Laboe aber die Maße der
STEPPKE genommen und beide Tochterboote anhand von Fotos mit einander verglichen.

Dabei schien mir die Dicke der Scheuerleiste von STEPPKE identisch mit der der ALTEn LIEBE
zu sein. Erfreulicherweise war damit auch das Beschaffungsproblem der Scheuerleiste
gelöst:

Die Firma Robbe bot seinerzeit die Gummileiste für das FEUERLÖSCHBOOT2 DÜSSELDORF
auch als Ersatzteil an. Ob es diese Leiste dort immer noch gibt, vermag ich nicht zu sagen.
Ich hatte mich damals aber mi einem gewissen Vorrat eingedeckt und konnte sie nun gut
gebrauchen.

Als Unterkonstruktion kamen -wie bei meiner DÜSSELDORF- wieder 2x2mm Leisten und
2,5x2,5mm L-Leisten zum Einsatz, die als Schiene für die darauf mit Sekundenkleber verklebte
Scheuerleiste dienen. Diese Konstruktion hat sich bei der DÜSSELDORF sehr bewährt und
ist recht stabil.

***

Ein nicht unwesentliches Detail bei den Tochterbooten ist der Mast und seine sich regelmäßig
verändernden Details. Da die mir zur Verfügung stehenden Bilder aus 1987 stammen, wird die
ALTE LIEBE auch diesen Bauzustand bekommen. Die Pläne der DGzRS zeigen (für mich leider)
die VEGESACK, die jedoch einen völlig anderen Mast hatte als die ALTE LIEBE. Es blieb mir also
nichts andere übrig als den Mast selbst zu "entwickeln", da natürlich nicht alle Maße bekannt
waren und die Fotos aus unterschiedlichen Winkeln heraus aufgenommen worden sind.

Herausgekommen ist die folgende Zeichnung:


 

Die einzelnen Materialien zu beschaffen war dabei die leichteste Übung. Auch das Erstellen der
Lampenbretter und des gekrümmten Auspuffrohres war nicht sehr problematisch.
ABER:
Ein Blick auf die Bilder ergab, dass alle Kabel für die nautische Beleuchtung durch den Mast
laufen, am unteren Ende austreten und dann als Kabelbaum geschwungen in den Aufbau
geführt werden. Das macht beim Original natürlich Sinn, weil der Mast bei Schleppfahrten nach
hinten geklappt wurde. Für mich hieß das aber, dass der Mast nicht gelötet werden konnte -
die Rohre mussten Innen ja frei bleiben.

Eine weitere Herausforderung bestand in den Kabeln selbst: Wie zum Teufel bekommt man 8 Kabel
durch einen Mast, dessen größter Innendurchmesser 4,5mm und dessen kleinster Innendurchmesser
3mm beträgt?

Die Lösung war ein sehr dünner Draht, dem ich einen kleinen Haken verpasst habe.

Zunächt wurden die Rohre auf die passende Länge gesägt (dabei muss der Teil, der im
nächstgrößeren Rohr verklebt wird, berücksichtigt werden), provisorisch in einander gesteckt und
die Position der erforderlichen Bohrungen für die Kabeldurchführungen markiert. Danach erfolgten
die ensprechenden Bohrungen.

Bevor nun die Kabel durch den Mast konnten, habe ich die Lampenbretter aus einer 0,5mm GfK-Platte
geschnitten. Der Grund dafür war, dass ich die Beleuchtungseinheiten (SMD-LEDs) nicht vom Draht
lösen wollte, da ich diese bereits fertig bekommen hatte. Sie waren seiner Zeit für ein anderes Projekt
gedacht und finden hier nun ihren Platz, denn SMD-LEDs verlöten ist nicht so meins...

Dann wurden die Rohre entsprechend der Zeichnung zusammengesteckt, die Bohrungen ausgerichtet
und alles mit dünnflüssigen Sekundenkleber verklebt. Die Lampenbretter fanden ihren Platz und auch
die Montage der orangen Typhon-Lampe ging recht problemlos: Sie besteht aus dem Brett und einem
gebogenen Messingrohr, durch das die Kabel der LED ja auch noch mussten. Hier erfolgte die
Verklebung am Mast aber erst nach dem Durchziehen aller Kabel durch den Mast.

Nach dem alle Kabel durch die Lampenbretter und den Mast gefädelt waren, habe ich die LEDs noch
ausgerichtet und am jeweiligen Lampenbrett verklebt damit sie nicht mehr verrutschen können.

Das Ausrichten ist erforderlich weil die SMD-LED nur in eine Richtung abstrahlen und die Laternen
unterschiedliche Abstrahlwinkel haben. Die Laternen selbst habe ich im Modellbau-Kaufhaus besorgt.
Sie haben die typischen Fresnel-Linsen und strahlen daher wie beim Original ihr Licht ab. Daher
habe ich alle Positionsleuchten-LEDs nach vorne bzw. hinten ausgerichtet und die LED für die
orange Rundum-Laterne nach oben.

Bei den Seitenlernen gab es auch eine Herausforderung:
Sie besteht bei der ALTEn LIEBE aus nur einer einzigen Laterne, die zwei Farben (rot/grün) hat.
Da es eine solche Laterne nicht zu kaufen gibt, habe ich eine rote und eine grüne Laterne mit der halben
Fläche nebeneinander auf ein Brett geklebt und dann beide Laternen gleichzeitig so abgefeilt, dass
sie später zu einer zusammengeklebt werden konnten. Dabei habe ich sie eine Idee breiter werden
lassen als die Topp- und Hecklaterne, da ich zunächst geplant hatte die Laterne mit zwei LEDs zu
befeuern. Ein Test mit einer LED ergab aber dann doch, dass eine LED ausreicht um ein ordentliches
Leuchtbild zu ergeben.

Anschließend habe ich aus 0,5er GfK noch den Radarreflektor gebastelt. Er besteht aus verschiedenen
rechtwinkligen Dreiecken und drei quadratischen Platten und ist am oberen Mast "beheimatet".

So sieht der Mast aktuell aus:

 

Es fehlt noch das Wärmeschutzgitter am Fuß und die Laternen müssen noch lackiert werden.
Damit warte ich aber noch weil die Anpassung erst mit dem Aufbau zusammen erfolgen kann.

***

Weiter ging es mit den Befestigungslaschen unterhalb des Aufbaus mit denen die Tochterboote
in der Heckwanne gesichert werden damit sie bei Seegang oder von überkommenden
Brechern nicht aus der Heckwanne gespült oder auch nur bewegt werden. Dies würde
unweigerlich zu massiven Sach- und Personenschäden führen.

Bei den originalen Tochterbooten der 26m-Klasse waren diese "Haken" früher direkt auf dem
Deck angeschweißt. Nach dem Umbau der Tochterboote zu Selbstaufrichtern waren sie zwar
immer noch am selben Platz - durch die Verschließung des Raumes unter den Laufgittern
seitlich am Aufbau wären sie aber nicht mehr zu erreichen gewesen. Daher wurden um die
Haken Aussparungen angebracht, sodass man sie weiter nutzen konnte.

So sah das ganze vor dem Umbau an der ALTEn LIEBE aus - das Foto entstand 1967 im
Kugelbake-Hafen von Cuxhaven:



Und so sah das ganze dann nach dem Umbau bei der ALTEn LIEBE aus - das Bild entstand 1987 im
Jacht-Hafen von Grömitz:




Beim Modell galt es die Maße und Lage dieser Aussparungen zu bestimmen und in die
Deckschale einzubauen. Dafür habe ich diverse Bilder aus verschiedenen Perspektiven
genutzt und danach mit einer kleinen Trennscheibe passende Ausschnitte aus der
Deckschale geschnitten. Aus 1,5mm starkem ABS habe ich dann die einzelnen Bauteile
dieser Taschen, was sich als recht tricky herausgestellt hat: 
Sie sind nicht etwa einfach rechteckig und immer gleichwinkelig. Die untere Seite hat (logisch)
die gebogene Form des (alten) Waldecks, die Taschen verjüngen sich nach Innen und auch
die obere Seite ist nicht symetrisch.
Und natürlich haben die vorderen Aussparungen andere Maße als die hinteren, da vorne 2 und
hinten nur 1 Haken Platz finden musste.

Das ganze dauerte also eine ganze Weile bis diese Details fertig im Rumpf eingepasst waren.

Während der -nennen wir diese Friemelei mal- Montage habe ich die Puzzleteile mit Sekundenkleber
und Aktivatorspray fixiert. Nachdem sie im Rumpf saßen, wurde alles mit Stabilit ummantelt damit hier
später keine Undichtigkeiten und/oder strukturelle Probleme auftreten können.
Das mag etwas übertrieben sein. Da ich aber nicht vorhabe ein reines Schönwetterbötchen zu bauen
sondern das Modell auf artgerechte Weise genutzt werden soll, gehe ich lieber auf Nummer Sicher und
baue alles etwas stabiler. Schließlich soll das Modell auch auf der Nordsee gefahren werden können.

Die Haken selbst habe ich noch nicht eingeklebt, da ich hier sonst u.U. Probleme beim Lackieren
bekommen könnte: Der Farbauftrag in den Taschen wäre sonst nicht sichergestellt und ich bin kein
Freund von Pinsellackierungen.

So sehen die Taschen jetzt aus - das Finish erfolgt erst im Rahmen der Lackiervorbereitungen.
Die kleinere Richtung Heck:


und die größere mittschiffs:



Als nächstes kam mal wieder der Aufbau dran. Wie schon geschrieben, wird der Aufbau nicht 
abnehmbar sein, sondern fest mit dem Rumpf verklebt. Der spätere Zugriff in den Rumpf wird
dann nur über das Dach erfolgen.

Natürlich hat das ganze zwar Vorteile wenn es um das Thema Dichtigkeit geht.
Allerdings muss man dabei beim Bau verschiedene Bauschritte so planen, dass man später noch
die Chance hat an zwingend erforderliche Klebestellen zu kommen. Aufgrund der Schräge der
vorderen Fenster im Zusammenhang mit der senkrechten Pflichtrückwand ist es nicht möglich die
Back vor dem Aufbau fertig zu machen. Das Bauteil würde später einfach nicht mehr in die dafür
vorgesehene Rumpföffnung passen.

Warum also keinen abnehmbaren Aufbau? Eine gute Frage, die ich auch mit meiner Partnerwerft
schon mehrfach diskutiert habe. Da das Modell später artgerecht bewegt werden soll und es dabei
auch schon mal mit starken Wind und Brandung zu tun bekommen wird, scheint mir der feste Aufbau
eine sehr viel stabilere Variante zu sein. Das abnehmbare Dach wird später entweder verschraubt
oder mit ein paar Magneten gesichert und bietet heranrauschenden Wellen praktisch keine
Angriffsfläche. Unterhalb des Daches wird eine Abdichtung mit einem "Innendach" erfolgen, welches
aus einem Rahmen und einem Deckel besteht. Deckel und Rahmen können dann mit einer Art
Tesafilm, wie es bei Rennmodellen üblicherweise zum Abdichten zum Einsatz kommt, abgeklebt
und damit absolut wasserdicht verschlossen werden.

So kann ich -dank der recht großen Dachfläche dieser Tochterboote- das Boot dicht halten und
dennoch gut an die Technk kommen.

Der Aufbau entstand besteht aus 0,5 bis 1,5mm starken Platten aus GfK und Polysterol und einem
Carbonrohr, welches den Mastfuß am der Aufbaurückwand darstellt. Natürlich hätte es auch ein
anderes Material für den Mastfuß sein können, aber als ich das Rohr gekauft habe, war es geplant
den gesamten Mast aus Carbon zu fertigen. Nachdem ich aber gesehen hatte, was mich der Mast
alleine an Material gekostet hätte, habe ich damals "spontan" entschieden, dass es auch normale
Metallrohre tun. Der Mast ist dadurch zwar etwas schwerer, aber angesichts der Gesamtverdrängung
von rechnerisch richtigen 3,5 kg sollte das dann nicht ins Gewicht fallen.

Nachdem die Aufbauteile anhand der Planunterlagen und der Originalfotos abgeglichen waren und
die Unterschiede feststanden, wurden die Maße auf die GfK-Platten übertragen und mit der 
der Dekupiersäge ausgesägt und kleinere Unebenheite der Schnittkanten beigeschliffen.

Die Unterschiede beziehen sich u.a. auf die bei allen Tochterbooten der Breusing-Klasse
verschiedenen Abschlusskanten vom Außenfahrstand, den Bereich des Mastfußes, die Dachkrümmung
und die Rückwand der Plicht.

Da die voliegenden Pläne mehr die VEGESACK der ADOLPH BERMPOHL zeigen, waren hier die
Fotos vom Original unverzichtbar und alleine die Ausarbeitung bzw. Änderung der Pläne dauerte ein ganze Weile.

Zunächst wurden die Einzelteile geschliffen und grob zusammengesetzt. Danach habe ich die Teile wieder
auseinander genommen, die Fenster angezeichnet und mit der Dekupiersäge ausgesägt. Dabei musste
ich natürlich beachten, dass die Fenster etwas kleiner ausfallen mussten damit später die Fensterscheiben
noch genug Auflagefläche haben.

Das Carbonrohr wurde passend abgelängt und halbiert. Die seitlichen Grätings am Aufbau entstanden
mit deutlichem Übermaß aus Polysyrol. Sie werden erst nach der endgültigen Verklebung mit dem Rumpf
gekürzt und verschliffen.

Der Aufbau und das Dach im aktuellen Rohbauzustand:



Auf dem Dach befindet sich bereits die Dachluke, durch die man beim Original während
der Fahrt herausschauen konnte um einen besseren Überblick zu haben. 

***

So, nachdem die letzten Einträge immer recht detaillastig waren, habe ich das Modell mal
zusammengestellt, damit sich der geneigte Leser auch mal einen Überblick verschaffen kann.
Zwar ist der Mast nicht dabei, aber der passt natürlich auch erst drauf wenn der Dachausschnitt
fertig ist. Aber ich denke für den genannten Überblick sollte es reichen.

Von der Backbord-Seite aus:



Gut zu sehen sind die Schweißnähte, die Schlingerkiele sowie die Heckverbreiterungen, die das Original
bekommen hat um die Kursstabilität bei der Fahrt vor der See zu verbessern - eine Maßnahme, die alle
Einheiten der DGzRS erhalten haben, die noch ein rundes, sogenanntes Kreuzerheck hatten.
Wobei die Tochterboote der GEORG BREUSING und ADOLPH BERMPOHL (ENGELKE und VEGESACK)
diesen Umbau nach meinem Kenntnisstand nicht mehr bekommen haben dürften.
Je nach Kreuzer und Tochterboot vielen diese Heckverbreiterungen -auch innerhalb der jeweiligen Klasse-
unterschiedlich ausgeprägt aus.

Und gleich noch ein Bild von schräg oben:




***

Etwas weiter oben habe ich ja schon kurz über die Reling für die Back, also den Bereich vor dem Aufbau, geschrieben. Diese stand nun zur Fertigstellung an. Dabei ist dann aufgefallen, dass die Reling nicht ganz maßhaltig war - einer der Nachteile, wenn man Bauteile nur nach Fotos aufbauen muss weil es davon keine Zeichnung gibt.

Der Versuch die Reling anzupassen, fiel nicht so aus wie ich mir das gewünscht habe.

Zu diesem Zeitpunkt fielen mir drei Aufnahmen des Originales in die Hand, die aus der Zeit direkt nach dem Umbau des Schiffes zum Selbstaufrichter stammen müssen - also so um 1982 herum.
Darauf zu sehen ist die ALTE LIEBE auf dem Weg in die Heckwanne des Kreuzers mit einer Lackierung, die mir persönlich noch besser gefällt als die Version mit dem komplett leuchtorangen Aufbau.

Wie man sieht, hatte man bei der DGzRS damals das Leuchtorange dem alten Aufbauverlauf aus
der Zeit VOR dem Umbau folgen lassen und den Anbau mit Weiß abgesetzt:

Diese Lackierung setzt allerdings auch eine komplett neue Reling voraus. Aus 3mm starkem Messingrohr
entstand daher die Version, die damals verhanden war. Um die engen Radien der Reling zu
biegen, habe ich die Rohre an den betreffenden Stellen mit dem Brenner erhitzt. Hier durch wird das
Metall weicher und knickt beim Biegen nicht ab/ein. Die alte Relingversion habe ich mit dem Dremel
zerlegt und aus den Resten die Füße der neuen Reling erstellt.

Die Bauteile wurden dann geschliffen und entfettet bevor sie hartverlötet wurden. Das Ergebnis:

****

So langsam wird es Zeit sich auch über die Lackierung Gedanken zu machen und deswegen habe ich mich
auf die Suche nach den richtigen Farbtönen gemacht. Bei den meisten Farben war das kein Problem.

Die Rettungseinheiten der DGzRS haben immer die selben Farbtöne:

Farbe RAL-Farbtöne Bauteil bei der ALTE LIEBE

Weiß

RAL 9001   signalweiß Aufbau, Reling

Grün

RAL 6001 Smaragdgrün Deck, Unterwasserschiff, Trossenabweiser

Weißgrün

RAL 6019     Weißgrün Seitenwände Plicht,

Leuchtrot                       
Tagesleuchtfarbe

RAL 3024      Leuchtrot Aufbau und Mast

 



 

 

 

 

 

 

 

Da ich in der Vergangenheit aber schon Probleme bei der Verwendung von Farben unterschiedlicher Hersteller
hatte, wollte ich dieses Mal auf Nummer Sicher gehen und alle Farben von selben Fabrikat nutzen.

Und damit fingen meine Probleme an. Die Tagesleuchtfarbe "RAL 3024 Leuchtrot" war im Handel praktisch nicht zu bekommen. Alle anderen Farbtöne - kein Thema. Nur eben RAL 3024 nicht.

Anfragen bei verschiedenen Händlern und Herstellern führten immer in eine Sackgasse oder zu Bestellmengen mit denen man problemlos zwei originale Seenotkreuzer hätte lackieren können.

Mehr durch Zufall bin ich dann über den Spraydosen-Shop gestolpert. Dort gab es 400ml-Sprühdosen mit allen gewünschten Farbtönen, passendem Klarlack in matt und entsprechende Grundierungen. Besonders gut fand ich, dass man dort nicht nur den üblichen Lack mit glänzendem Abschluss bestellen kann sondern auch den entsprechenden Basislack, der anschließend noch einen Klarlacküberzug benötigt.

Also gleich eine Bestellung aufgegeben (zunächst mal nur eine einfache Anzahl der Töne um die Farben zu testen) und eine Woche später stand das Paket vor der Tür.

Natürlich musste auch gleich ein Test erfolgen. Da der Rumpf noch nicht im lackierfähigen Stadium ist, habe ich mich auf den Mast "gestürzt". Dabei gab es mehrere Herausforderungen:

1) Der Mast ist bereits mit den SMD-LEDs ausgestattet die später die Laternen befeuern. Diese durften natürlich nicht mitlackiert werden.

2) Der Mast ist nicht überall leuchtrot, sondern auch silbern und schwarz.

3) Die Tagesleuchtfarbe kann nicht einfach auf dunkle Oberflächen wie das Messing oder die mattschwarz vorlackierten Laternenbretter gesprüht werden, da sie sonst ihre Leuchtkraft nicht entwickelt.

Die LEDs habe ich mit speziellem Abklebeband abgeklebt. Damit ich die LED nach dem Lackieren nicht mit dem Abklebeband abreiße, habe ich die Klebeflächen vorher ein paar Mal auf die Arbeitsplatte geklebt und wieder abgezogen. Dadurch verliert der Kleber soweit seine Klebekraft, dass er noch abdichtet, dabei aber die LED nicht festklebt.

Das Problem 2 war nicht zu lösen: Ich befürchtete, dass ein Abkleben aller nicht zu lackierenden Teile beim Abziehen Schäden hinterlassen könnte weil ich die Klebestreifen zu früh oder zu spät entfernen könnte.

Problem 3 habe ich mit einer weißen Vorlackierung des Mastes gelöst.

Wie lackiert man nun ein Bauteil, das komplett mit Farbe eingedeckt werden soll?

Da der Mast einen hohlen Fuß hat, habe ich dort einen Rundstab eingeführt und den Unterschied zwischen den Innen- und Außendurchmesser mit Küchenpaper ausgeglichen. Dadurch saß der Mast fest genug um auch überkopf gehalten zu werden und nach der Trocknung war er dennoch leicht abzumachen.

Der Mast bekam insgesamt zwei Schichten weiß, sechs Leuchtrot und drei Schichten matten Klarlack. Da die Farben sehr kurz hintereinander angewandt werden dürfen, war das Thema an einem Wochenende abgehakt und jetzt müssen die Farben endgültig aushärten, damit die nächsten Farben aufgebracht werden können.

Für das Auspuffrohr und den Redarreflektor kommen Farben von Revell zum Einsatz, die sich aufgrund ihrer Zusammensetzung mit dem vorhandenen Lack vertragen sollten.

Aktuell sieht der Mast jetzt so aus:

***
Nachdem die Farben durchgetrocknet waren, konnte es mit den nächsten Arbeitsschritten weitergehen. Die Laternen für den Mast waren bereits mit zwei Schichten mattschwarzer Farbe gestrichen worden, damit die Leuchtmittel später nicht durchscheinen. Jetzt bekamen sie einen Anstrich mit einer Revellfarbe vom Ton "Aluminium" - zwar waren die Laternen im Original chromfarben, aber so einen Farbton habe ich nicht bekommen.

Als die Farbe dann auch trocken war, wurden nochmal die LEDs auf ihren gerade Sitz auf den Lampenbrettern geprüft und die Laternen auf den Brettern festgeklebt.

Anschließend wurde der Auspuff sowie der Radarreflektor an der Mastspitze ebenfalls im Ton Aluminium gestrichen. Das Innere vom Auspuff wurde mattschwarz lackiert.

Dann folgte noch das Hitzeschutzgitter an Mastfuß und das Bauteil ist - bis auf die Antenne auf der Spitze - fertig. Die Antenne folgt aber erst ganz am Ende.

Für das Foto wurde der Mast mal wieder auf den Aufbau gesteckt. Damit er aber bei den weiteren Arbeiten keinen Schaden nimmt, kommt er wieder ab und wird anderweitig eingelagert.

Urlaubszeit = Bastelzeit...

In der jetzigen Phase wird es nun Zeit die nächsten Arbeitsschritte etwas mehr zu planen:
So müssen Einbauten im Rumpf beziehungsweise zwischen Rumpf und Deck/Plicht erfolgen, die bei der falschen Reihenfolge nicht mehr oder nur mit viel Aufwand durchgeführt werden könnten.

Ein Beispiel:

Die Entwässerungsrohre der Plicht müssen an der Plichtunterseite sowie im Rumpf verklebt werden.

An diese Stellen komme ich aber nur ran solange die Pflichtrückwand und die Öffnung unter dem Mann-Loch-Deckel am Heck noch nicht verbaut sind. Das wiederum setzt aber einen verklebten Aufbau voraus, sodass ich vorher den Kasten für die Akkus der  Empfänger/Servo/Beleuchtungseinrichtung ge- und eingebaut haben muss.

Ein Test in meinem Testbecken ergab, dass die beiden Akkupacks in den Bugbereich mussten. Dafür habe ich einen Kasten aus GfK-Platten gebaut in den die beiden bündig hineinpassen. Da die ALTE LIEBE auch schwerwettertauglich sein soll, ist dieser Kasten nicht nur -sagen wir mal- "für die Ewigkeit" eingeharzt, sondern hat an der Front- und Rückseite jeweils 2 Haken, bei denen später 2 Gummis ein ungewolltes Entfernen der Akkus vom Arbeitsplatz verhindern sollen.

Bei der Gelegenheit habe ich auch für die beiden Fahrakkus jeweils 3 Haken montiert.

Eigentlich hätte jetzt die "Hochzeit" zwischen Rumpf und Aufbau stattfinden können. Allerdings war ich mir immer noch nicht sicher wie ich das Modell wirklich dicht bekommen sollte. Bisher hatte ich mehrere Varianten gefunden und wieder verworfen. So wollte ich zum Beispiel eine Inneneinrichtung einbauen und über diese dann die Abdichtung vornehmen. Aus Gewichtsgründen schied diese Version jedoch aus und auch die Physik widersprach dieser Lösung. Warum?

Damit das Modell später auch eine Durchkenterung übersteht und sich wieder aufrichtet, muss nicht nur für die Wasserfreiheit in Inneren gesorgt werden. Vielmehr muss der obere Teil des Schiffes mehr Wasser verdrängen als der untere Teil; dies führt dann mit einem tiefen Schwerpunkt dazu, dass sich das Modell wieder aufrichtet.

Soweit zumindest die Theorie. Beim Original funktionierte das bekanntlich, Test und Beweis beim Modell stehen aber natürlich noch aus.

Um das aber zu erreichen, muss die Abdichtung praktisch direkt am Dach erfolgen denn wenn der Aufbau bei einer Kenterung vollläuft, richtet sich da nix mehr auf. Ich habe daher direkt unter das Dach (ca. 5mm darunter) einen Rahmen eingeklebt, der wiederum einen Hilfsrahmen hat. In der Öffnung kann eine Gfk-Platte mit Dichtband eingeklebt werden. Da Rennbootfahrer und Segler ihre Modelle so dichthalten, sollte das Prinzip hier auch funktionieren.

Das Dach selber wird später mit ein/zwei/drei (?) Magneten gehalten und bei Bedarf noch mit einer einzelnen Schraube gesichert. Die Kunst wird nur darin bestehen diese Schraube unsichtbar zu gestalten. mal sehen.

Anschließend habe ich im Rumpf und an der Unterseite der Plicht die Löcher für die Entwässerungsrohre gebohrt und an den Öffnungen jeweils einen kleinen Rahmen aus ABS angebracht. Diese Rahmen sollen verhindern, dass das Harz in der breite der Fläche verschwindet und für mehr Stabilität sorgen.

Danach habe ich den Aufbau ausgerichtet, angezeichnet, das ganze dreimal geprüft und dann den 2K-Kleber angerührt. An der Deckschale hatte ich ja die Hälfte der Breite der Grätings stehen gelassen, sodass ich nun darauf zunächst an Steuerbord den Kleber über die gesamte Länge verteilt habe. Dann den Aufbau vorsichtig aufsetzen, den richtig Sitz kontrollieren und mit Bleiplatten und Akkus solange beschweren bis der Kleber ausgehärtet ist. Bis der Kleber anzog, war es von Vorteil diesen immer mal wieder dahin zu streichen wo er hinsollte - eine Kopfüberverklebung schloss sich ja leider aus weil sonst kein Zugriff ins Innere möglich gewesen wäre.

Danach das gleiche Spiel wiederholte sich dann an der Backbordseite.

Nachdem auch diese Seite ausgehärtet war, erfolgte noch an ein/zwei Stellen ein erneuter Kleberauftrag um sicher zu gehen, dass keine Undichtigkeiten auftreten. Bei einem reinen Schönwettermodell wäre das egal gewesen aber da gehe ich dann doch lieber auf Nummer Sicher.

Danach habe ich mir den Spass gegönnt die Entwässerung fertigzustellen:
Mittels einer Spitze und eines Gummischlauches war die Verklebung auf der Plichtseite "nur" eine Sauerei, aber kein Problem. Das selbe gilt für die Rumpfseite. Nachdem auch hier alles ausgehärtet war, habe ich die überstehenden Enden der Rohre mit einer Trennscheiben abgetrennt und verschliffen.

***

Auf der Kante der Grätings hat das Original eine Aufkantelung aus einem augeschweißten Rundstahl, welches zum Heck hin über das Ende der Gräting hinausläuft und im Deck "verschwindet. Nach vorne geht es in die Kante der Back über.

Ich habe diese Kante mit einem Rohr hergestellt und dieses dann entsprechend gewinkelt im Deck des Hecks enden lassen. Die Verklebung war dank der noch fehlenden Pflichtrückwand und dem Ausschnitt im Heck kein Akt. Den geschwungenen Übergang zum Deck habe ich anhand der Bilder vom Original erstellt. Die Rohre habe ich mit einem kleinen Draht verstiftet, sodass hier ein sauberer und stabiler Übergang entstehen konnte.

Für den geschwungenen Übergang habe ich einen ABS-Streifen eingesetzt über den dann das Rohr geklebt wurde.

Anschließend kam wieder Polyestherspachtel zum Einsatz:

Beide Seiten des Tochterbootes wurden gespachtelt, geschliffen, gespachtelt, geschliffen, ... um die endgültige Oberflächenstruktur zu bekommen, die ich mir vorstelle.

Da nach diesen Arbeiten das Heck verschlossen werden konnte, habe ich die Pflichtrückwand aus einer 1mm starken GfK-Platte erstellt, eingesetzt und verklebt.

Für die Verschließung der viereckigen Öffnung im Heck habe ich innen einen Rahmen eingeklebt auf dem der Deckel dann plan aufliegen konnte. Eigentlich hätte hier der Einsatz von etwas Sikaflex gereicht, aber die geplanten Schlechtwettereinsätze haben mich dann doch zu einer stabileren Version aus Stabilit greifen lassen.
Als der Kleber dann trocken war, wurde das Heck ebenfalls mit Polyestherspachtel gespachtelt, verschliffen, gespa... - der Rest dürfte bekannt sein. ;o)

Auf alten Bildern vom Original war erkennbar, dass das Heck stellenweise mit einem rauhen Antirutschbelang belegt war. Ich habe diesen Bereich mit Maskierband eingegrenzt, per Pinsel mit Farbe bestrichen und dann mit 0,2 - 0,6mm kleinen Granitgranulat aus dem Modelleisenbahn-Bereich bestreut. Dies muss natürlich erfolgen solange die Farbe noch naß war um das Granulat an die Farbe zu binden. Nach dem Durchtrocknen konnte der überflüssige Teil einfach durch Drehen des Modells und etwas klopfen entfernt werden, sodass eine schöne und lackierbare Fläche entstanden ist.

***

Damit die Besatzung beim Gang zum Bug nicht ausrutscht, habe ich die Grätings und den noch verbliebenen Teil vor dem Aufbau wie beim Original mit Tränenblech belegt. Hierfür kam Tränenblech aus Polystyrol zum Einsatz. Um den Verschnitt so gering wie möglich zu halten (diese Platten sind nicht gerade zum Schnäppchenpreis zu kriegen) habe ich mir zunächst Schablonen aus Pappe zurecht geschnitten und diese angepasst. Nachdem die Schablonen dann fertig waren, war der Zuschnitt der eigentlich "Beplankung" ohne Probleme möglich.

***

Der nächste Arbeitsschritt ging dann in Richtung Detaillierung des Decks. Die ALTE LIEBE hat am Aufbau, am Heck und am Bug jeweils zwei Klampen, die auf einer Verstärkung verschweißt sind. Die Klampen selbst habe ich mir bei Hobby Lobby bestellt und die Verstärkungsplatten entstanden aus 1mm Poly.

Am Heck musste ich dafür an den entsprechenden Stellen den Anti-Rutsch-Beleg entfernen - selber schuld: Ich hatte einfach vergessen dass die Klampen da noch hin mussten. Aber mit einen scharfen Messer und etwas Druck war das schnell erledigt. Nachdem die Verstärkungen aufgeklebt waren, habe ich den Anti-Rutsch-Belag einfach wieder erneuert. Dann noch schnell die Klampen an den Klebestellen zum Deck etwas angerauht und mit Sekundenkleber fixiert. Fertig.

 

Mit diesen Arbeiten ist das Deck eigentlich fertig. Was noch fehlt ist die Flaggenstockhalterung an der Außenseite der Plichtrückwand, aber den kann ich erst erstellen wenn die Umrandung der Plicht ferig ist. Es geht also in der Plicht bzw. am Aufbau weiter. Um mal wieder "etwas für´s Auge" und somit einen etwas größeren Fortschritt zu sehen, habe ich mich der Tür gewidmet. Die Tür selbst hatte ich bereits vor einiger Zeit vorgefertigt. Es fehlten aber noch die Scharniere, die Verschlüsse und die Befestigungseinrichtung an der Aufbauwand.

Die dreieckigen Beschläge entstanden aus 0,5mm starkem Poly und die Verschlusshebel aus passend gebogenen Nägeln, die von Innen durch die Tür geschoben wurden. Der Vorteil dabei: Durch den Kopf des Nagels bleiben die Griffe immer in der Tür, auch wenn der Kleber durch zum Beispiel eine ungeplante äußere Einwirkung nicht mehr halten sollte. Ein Draht würde irgendwann rausfallen.
Die Scharniere entstanden auf zwei ineinander geschobene Rohre, die passend abgelängt, auf die Stange geschoben wurden sowie auf 1,5mm bzw. 0,5mm starkem Poly.

Nach der Ausrichtung der Scharniere konnte die Tür dann mit dickflüssigem Sekundenkleber festgeklebt werden. Diese Scheibe der Tür folgt erst nach der Lackierung des Aufbaus.

Warum sich das Bild immer hinlegen will, wer weiß. Vielleicht ist es müde weil es bei der Speicherung schon etwas später war... Vielleicht finde ich den Fehler noch, aber ich denke, Hauptsache Bilder und nicht nur Text... :o)

***

So langsam geht es in die Phase der Detaillierung und deswegen habe ich heute mal ein paar kleinere Werkzeuge, die bei der ALTE LIEBE an der Aufbauwand befestigt sind, nachgebildet.

Das weiße "Ding" auf dem Boden ist der Rohbau des Podestes, auf dem die das Tochterboot steuernde Person stand. Es muss noch gespachtelt und geschliffen werden und bekommt nach der Lackierung dann noch einen Lattenrost verpasst. Es steht aktuell nur lose auf dem Plichtboden.

Und um mal wieder einen Gesamteindruck zu bekommen hier eine Seitenansicht von der ALTE LIEBE auf der Werkbank:

Dabei fällt mir auf, dass ich mal wieder aufräumen könnte... Nunja...

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Das nächste Detail an der Wand war eine Einrichtung, von der ich vermute, dass es ein manuelle Lenz-Pumpe ist. Zumindest sieht es mir danach aus. Sie entstand aus einem gedrehten Teil aus Alu (Rest eines Beschlagsatzes des Feuerlöschbootes), ABS-Streifen, Messingrohr verschiedener Stärken und einer Klemmeinrichtung für eine Antriebswelle. Das Ergebnis:

Damit die Rettungsmänner in der Plicht nicht im Wasser stehen mussten, war bei der ALTE LIEBE der Boden mit einem Holzgitter belegt. Außerdem war auch auf dem Podest auf der Steuerbordseite ein Holzgitter angebracht. Die beiden Gitter entstanden aus 3x5mm starken Buchenholzleisten, die Unterkonstruktion aus Leisten von 9x4mm. Durch die Seitenverkleidungen an den Seitenwänden, den Mastfuss, die Lenzpumpe und das Podest war die Montage des Gitters recht friemelig, aber nachdem ich das große Gitter zweigeteilt ausgeführt habe, machbar. Was man auf dem Bild nicht sieht: Die Unterkonstruktion habe ich an den Seiten und in der Mitte jeweils mit einem 20x5mm großen Durchlass versehen, damit überkommendes Wasser auch beim Original durch die Abläufe abfließen kann.

Für die Lackierung, schließlich muss das Holz nicht nur wie beim Original aussehen sondern auch wasserfest sein, mussten die Bretter natürlich wieder raus. Immer noch verdammt eng. Auch das "wieder rein"...

***

Weiter geht es mit dem Dach - nur wie? Die Abdichtung habe ich ja bereits beschrieben. Das Dach selbst wollte ich zunächst ja mit zwei oder 3 Magneten befestigen. Allerdings hat das Dach vier Ecken, sodass ich mit letztlich auch vier Magnete entschieden habe.

Problem: Wo gibt es kleine aber starke Magnete, die ich dafür nutzen kann? In der Vergangenheit gab es mal Namensschilder, die genau die richtigen Magnete besaßen. Leider kann man diese nur in Mengen von 25 Stück aufwärts bestellen.

Was tun?

Ich habe einfach mal auf Verdacht den Hersteller der gewünschten Magnete, die Firma Durable angerufen und mein Problem geschildert. Das Ergebnis: Ein paar Tage später bekam ich vier Namensschilder per Post - und keine Rechnung. Dafür vielen Dank!

Also ab vom Briefkasten in die Werft. Die kleinen Metallplättchen, die das Gegenstück zu den Magneten bilden, habe ich von unten hinter die eigentlich Abdichtungszwischendecke geklebt und die Magnete in die eigentliche Dachschale. Da die Magnete sehr stark sind, habe ich sie zunächst mit Sekundenkleber an den Querstreben des Daches fixiert und dann mit Stabilit vergossen. Dabei musste ich auch einen korrekten Sitz achten, denn eine nachträgliche Berichtigung würde unweigerlich ein neue neue Dachschale notwendig machen.

***

Danach sollte es mit der Lackierung von den Bauteiles oberhalb der umlaufenden Scheuerleiste weitergehen. Also erfolgte nochmal eine genaue Besichtigung und bei Bedarf an der ein oder anderen Stelle noch ein Spachtel-/Schleifeinsatz. Danach wurde alles entstaubt und entfettet, sodass der Haftgrund aufgetragen werden konnte. Diesen habe ich wetterbedingt im Keller aufgetragen - nunja, mit Maske geht das, aber Staubwischen ist anschließend dringend zu empfehlen. Der Sprühnebel ist doch ordentlich. Das Ergebnis der Grundierung sieht man hier:

Nachdem die Grundierung ausgehärtet war, habe ich gefühlt stundenlang das Deck und die Pflicht abgeklebt, sodass der Aufbau samt Deckschale seiner verkehrsweiße (RAL 9003) Farbe bekommen konnte. Dieses Mal draußen - ist irgendwie doch weniger Dreck in der Werft.

***

Die weiße Farbe war nach ein paar Tagen geruchsfrei, sodass ich mich an die -in meinen Augen- schönste Farbe der DGzRS-Einheiten machen konnte:

Die Tagesleuchtfarbe "Leuchtrot RAL 3024"

Etwas kompliziert war die Gestaltung des Kurvenverlaufes an der Aufbauseite, aber mit einer Schablone war es nach der Formbestimmung anhand der Originalbilder dann doch gut möglich und vor allem auch seitengleich. Dann wieder elend langes Abkleben der restlichen Schiffsbereiche, denn die Farbe soll natürlich nur dahin wo sie beim Original auch war. Zum Beispiel sind die oberen Enden der Plicht-Umrandung weiß, sodass hier auch entsprechend friemelige Abklebungen erforderlich waren.

Dankenswerterweise spielte ab dem zweiten Lackiergang auch das Wetter wieder mit, sodass ich die restliche Sprühorgie "openair" durchführen konnte.

  

Die Lackierung hat gut funktioniert - leider hat sich die Farbe im Dachbereich nicht vom Abklebeband trennen wollen, sodass hier eine Fläche wieder weiß wurde, aber dass kann man noch nachlackieren. Vielleicht habe ich da einfach eine Idee zu lange gewartet um die Abklebungen zu entfernen. Shit.

Das passiert mir aber nicht nochmal.

 

***

Damit ich nun das Deck grün lackieren konnte, musste die Farbe zunächst ordentlich durchhärten. Zwar könnten die Farben nach ein paar Minuten überlackiert werden, aber das Risiko, mir dann mit dem Abklebeband die vorher aufgebrachte Farbe abzuziehen, war mir doch zu groß. Nachdem die Farbe also geruchsfrei war, begann wieder eine Abklebeorgie, sodass das Grün auch nur dahin kommt wo es hin soll. Dann konnte es losgehen und nach dem zeitnahen Entfernen der Abklebemaßnahmen sieht das ganz dann so aus:

 

Schön zu sehen ist auch, dass die Besandung und die Struktur der Tränenbleche nach dem Lackieren noch zu erkennen sind wie beim Original:

 

 

***

Nach der üblichen Trocknungsdauer war es Zeit für den ersten Anstrich der Reling auf der Back. Da die neue Farbe das Grün leicht anlöst und man mit dem Pinsel nicht immer nur tupfen will/kann, wird hier ein zweiter Lackiergang unvermeidlich sein.  

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Bevor nun die Plicht ihr DGzRS-typisches Weißgrün bekam, habe ich das bereits vor einigen Wochen fertiggestellt Podest für den Fahrer eingeklebt. Danach hieß es das gesamte Modell staubdicht abzukleben, sodass die Farbe der Pflicht auch nur in dieser landet und nicht die Arbeit der letzten Lackiervorgänge zunichte macht. Dies hat gut funktioniert:

  

Während die Farbe schön durchtrocknet, habe ich mich einigen Details gewidmet.

Die Namensschilder entstanden aus geätzten Messingbuchstaben und 1mm starken ABS-Resten: Nach Festlegung der Maße habe ich zunächst die Rundung auf der linken Seite, an dem der Name anfängt, erstellt und eine Linie zur Orientierung beim Aufkleben der Buchstaben gezogen. Wichtig hier bei ist, dass alle Markierungen mit Bleistift erfolgen! Die Nutzung eines Folienstiftes kann zu Problemen bei der späteren Lackierung führen, da sich diese durch die Lackierung immer wieder durchfressen können.

Dann folgte der spannendste Teil bei den Namensschildern: Das gerade und kleberestefreie Aufkleben.

Mit einem scharfen Messer habe ich die Buchstaben aus ihrem Hilfsrahmen geschnitten, bei Bedarf etwas beschliffen und dann mittels einer spitzen Pinzette aufgenommen. Je nach Buchstabe erfolgte dann der Auftrag von 2 bis 6 Klebepunkten eines mittelflüssigen Sekundenklebers auf der Rückseite des Buchstabens.

Die Herausforderung dabei war, dass der Kleber nicht über die Kontur der Buchstaben hinausquellen durfte. Mein Lösung: Einmal auf einem Reststück den Buchstaben auf“stippen“, sodass ein Teil des Klebers auf dem Reststück verbleibt. Dadurch war dieses Problem umgangen. Die Buchstaben wurden dann mit möglichst ruhiger Hand entlang der vorgegebenen Linie aufgeklebt. Gar nicht so einfach, aber nach einer gefühlten Ewigkeit dann doch irgendwann geschafft. Dann habe ich die zweite Rundung zugeschnitten und diese auf den zweiten Rohling, der noch keine Buchstaben hatte, übertragen.


Das zweite Namensschild entstand genauso und damit bei beiden die Buchstaben identische Abstände erhielten, habe ich dabei das erste Namensschild auf der Arbeitsplatte mit einem breiten Streifen Maskierband fixiert. Natürlich hätte es auch ein schmaler Streifen getan, aber ein von der Pinzette gefallener, bereits mit Kleber versehener Buchstabe hat mir gezeigt, dass das eine suboptimale Lösung gewesen wäre. Das Ergebnis:

Und da ich einmal bei Fummel-Arbeiten war, habe ich mich dem Schlepphaken gewidmet. Erfreulicherweise gab es den von mir gewählten Schlepphaken früher einmal als Ersatzteil von Robbe für den 1:25-Seenotkreuzer BERLIN und ich hatte ich mir in weiser Voraussicht sicherheitshalber schon mal bestellt – heute ist er nicht mehr im Lieferprogramm enthalten.

Eine mühselige Messingschnitzerei konnte dadurch zwar ausbleiben, aber die Teile zusammen zusetzen und die im Arm versteckte Feder für die Entriegelung einzubauen, war dennoch eine schweißtreibende Angelegenheit und nicht unbedingt etwas für meine Grobmotoriker-Hände. Geklappt hat es aber dann doch irgendwann irgendwie.

***

Nun war die Pflichtbeleuchtung an der Reihe. In den Rohling einer solchen Lampe habe ich mittels einer
Proxxon-Bohrmaschine und einem Fräskopf ein Loch für die SMD-LED sowie einen Kanal für das Kabel gefräst. Die LED wurde dann mittels dickflüssigen Sekundenklebers in Wunschposition gehalten. Nach einer genauen Ausrichtung etwas Aktivatorspray drauf und die LED sitzt bombenfest. Die Lampe erhielt dann noch ein Lampenbrett um später am Aufbau, oberhalb des Schlepphakens, montiert werden zu können.

Beleuchtet sieht das Ganze dann durch die warmweiße LED dann so aus:

Die Position der LED in der Lampe sieht man am besten, wenn man sie gegen eine 23W starke Energiesparbirne hält:

***

Lackierung bei bestem Wetter mitten im Winter – es gibt Momente in denen mir die Erderwärmung gar nicht soo schlecht erscheint.
Deswegen konnte ich nun die Luke auf dem Dach mit weiteren Details versehen (Verschluss, Schlösser, Haltevorrichtung, Scharnierkonstruktion und auch das Dach bekam das Gegenstück zur Haltvorrichtung) und diese zusammen mit den Relingen der Back und des Aufbaus sowie die Klampen am Aufbau lackieren. Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich den Gashebel sowie den Kompass angebracht.

  

Im letzten Moment ist mir dann doch noch eingefallen, dass ich ja auch die Namenschilder noch weiß lackieren muss. Glück gehabt, denn so konnten die Teile alle zeitgleich trocknen, was bei den warmen Temperaturen natürlich sehr gut und zügig geht.

***

Die ALTE LIEBE hat im Rahmen des Umbaus zum Selbstaufrichter die Halterung für den Suchscheinwerfer, der oberhalb der Frontscheiben befestigt werden konnte eingebüßt. Dieser „wanderte“ stattdessen an die hintere (neue) Aufbaukante und wurde etwas erhöht.
Diese Konstruktion ist in keinem Plan verzeichnet, sodass hier ein Bau nach verschiedenen Originalbildern notwendig war.

Die Halterung entstand aus ABS-Platten, einem ABS-Rohr. Die Herausforderung bestand daran, dass die obere Grundplatte waagerecht zur Wasserlinie steht, der Fuß jedoch die Dachkrümmung ausgleichen muss und deswegen das Rohr entsprechend gewinkelt sein muss. Dieser Winkel bestimmte dann die endgültige Form der Verstärkungen an der Rohrseite.

Soviel sei dazu gesagt: Es waren mehrere Versuche nötig um ein akzeptables Ergebnis zu erreichen. Natürlich durften auch das Loch in der oberen Platte, die Schienen an deren Rand zur Scheinwerferführung sowie die Vernietung an der unteren Fußplatte nicht fehlen. Anschließend habe ich aus einem Reststück noch ein kleines ABS-Rechteck geschnitten und mit zwei Nieten versehen, welches neben der Halterung auf dem Dach finden sollte: Beim Original ist wohl innerhalb des Aufbaus daran irgendetwas befestigt.
Die beiden Teil habe ich lackiert und nach der Trocknung auf das Dach geklebt.

 

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Die Farbe der Namensschilder war getrocknet und hatte danach noch ein paar Schichten matten Klarlacks erhalten. Es konnte also an das Schwarz der Buchstaben gehen. Leider war der Pinsel Größe 1 noch eine Nummer zu groß, sodass ich da noch einen zweiten Pinselgang machen muss. Vielleicht auch unter zu Hilfenahme einer Lupe. Der erste Lackiergang sieht so aus:

***

Puzzelalarm deluxe:

Irgendwann war es soweit und ich musste mich dem Mast stellen. Dafür waren verschiedene Platten für das Podest im Dachbereich und das Scharnier, mit welchem beim Original der Mast umgelegt werden konnte, erstellt werden.

Dann habe ich zunächst den Mast mit der Grundplatte für das Scharnier mittels Sekundenkleberpunkten verbunden, den Neigungswinkel bestimmt und mit Aktivatorspray den Kleber anziehen lassen. Aus Polyestherspachtel entstand dann die runde Mastverstärkung. Nachdem diese durchgehärtet war, habe ich den Mast mit dem Aufbau mittels Sekundenkleber fixiert – die endgültige Verklebung erfolgt vom Inneren des Aufbaus durch eine bereits im Baustadium eingearbeitete Öffnung mittels Stabilit Express.

Dann waren die diversen Seitenteile an der Reihe, die, wie auf den Originalfotos zu erkennen war, schräg nach hinten an der überstehenden Dachkante abschließen. Hier ging es darum, dass der Dachdeckel nach dem Anbau auf noch passen musste.

Bei einer Sache bin ich einen Kompromiss zwischen Original und Modell eingegangen: Weiter oben habe ich bereits beschrieben, dass ich unter dem richtigen Dach eine verklebbare Zwischendecke zum Abdichten bei Schlechtwetterfahrten vorgesehen habe. Sollte dabei dann Wasser durch das Dach kommen und sich auf der Zwischendecke sammeln, könnte das Wasser nicht abfließen – daher habe ich die vordere Wand vor dem Mastfuss weggelassen, sodass das Wasser einen Weg nach draußen hat. Es läuft dann über die Aufbaurückwand in die Plicht und von dort über die Abflüsse in den See zurück.

 

  

 

***

Hier mal wieder ein Zwischenstand bzw. eine Gesamtübersicht über das gesamte Modell zum aktuellen Sachstand:

 

***

Nun wurde wieder abgeklebt:

Der Mast sowie der komplette Rumpf, unterhalb und inklusive der Scheuerleiste, wurden mit Zeitungen und Maskierband eingepackt, sodass Deck, Plicht und Aufbau die finalen matten Klarlackschichten erhalten konnten.

Dank des Wetters (Sonne und über 25 Grad) ging die Trocknung sehr schnell und ich konnte mich den weiteren Details des Aufbaus widmen:

Das Lenkrad entstand aus einem fertigen Teil aus dem Zubehörhandel. Diesem "Rohling" habe ich dann mit Mauerschnur einen dickeren Lenkkranz spendiert und der Knauf, der auf dem Krank befestigt ist, entstand mit einer Messinghülse aus der Grabbelkiste und einer kleinen Schraube. Beides wird eigentlich für die Befestigung eines Servos genutzt.

Der Sockel des Lenkrades entstand aus dem Korpus einen kleinen Suchscheinwerfers, den in passend zurecht geschliffen habe. Nach der Lackierung sieht das Lenkrad so aus:

Und wenn man einmal den Pinsel schwingt, bietet es sich an weitere Details zu lackieren.

Mit dem Silber wurden ebenfalls lackiert:

die Werkzeuge an der Aufbaurückwand, der Schlepphaken sowie die (teilweise) manuelle Lenzpumpe.

Mattschwarz kam auf (teilweise) die Lenzpumpe sowie die Verschlusshebel der Türe des Aufbaus und die einzelnen Kabel, die aus dem Mast kommen.

Ebenso wurden die Gitter in der Plicht und das Lenkrad befestigt befestigt.

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Nachdem der Klarlack richtig durchgehärtet war, musste ich mir etwas wegen der Fensterrahmen einfallen lassen. Mangels CNC-Fräse habe ich keine Möglichkeit mir entsprechende Rahmen zu fräsen und eine entsprechende Qualität mit einem Cuttermesser zu erreichen, ist praktisch nicht möglich - also mir nicht.

Daher habe ich mich zum gleichen Vorgehen wie beim FLB2 entschieden:

Die Fenster wurden mit Maskierband abgeklebt und danach mattschwarz per Pinsel lackiert. Während die Lackierung in 20 Minuten erlegt war, dauerte das Abkleben durch die erforderlichen Rundungen über eine Stunde. Wie sich herausstellte, war es letztlich einfacher mit zwei spitzen Pinzetten zu hantieren.

Das Ergebnis ist meiner Meinung nach aber jede Minute wert gewesen:

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Dann galt es die Namensschilder anzukleben, sodass das Modell nun schon recht fertig aussieht:

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Der Fanghaken bereitete mir dann noch zwar keine schlaflosen Nächte, aber wirklich gefallen hat mir die bisherige Seilkonstruktion mit roter Maurerschnur nicht. Ein Einfärben brachte auch kein zufriedenstellendes Ergebnis, sodass ich alles wieder entfernt habe. Auf der Dortmunder Modellbaumesse hatte ich mir passende Drachenschnur gekauft. Diese hat den nötigen Zug und die richtige graue Farbe.

Damit war eine Montage, die dem Original entspricht, möglich. Um den Haken nicht stumpf anzukleben sondern ihn auch beweglich zu gestalten, ist das obere Seil im Aufbau mit ein paar Haushaltgummis auf Spannung befestigt. Wenn nun am Haken gezogen wird (vielleicht baue ich die EMMINGHAUS ja doch irgendwann mal in 1:10) wird dieser heruntergezogen und zieht sich, wenn der ZUG aufhört, alleine wieder hoch.

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Ein letztes Detail für das Dach fehlte noch: die kleine silberne Entlüftungshaube.

Sie entstand aus einer zurecht geschliffenen Servoscheibe und einem Servoarm. Beide Teile wurde miteinander verklebt und dann die Schräge mit Polyesterspachtel ergänzt.

Nach ein paar Schleif- und Spachtelaktionen habe ich die Löcher dan mit einem passenden Fräskopf erzeugt. Damit die Löcher gleichmäßig wurden, habe ich mir eine Schablone mit aufgezeichneten Strichen (ähnlich einem Kompass oder einer Uhr) gezeichnet und die Löcher dann entsprechend gefräst.

Auf dem Dach aufgeklebt wurde die Lüftung dann nach der Lackierung:

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Angesichts der geplanten Fahrt an Pfingsten 2014 vor dem Original der GEORG BREUSING wurde es langsam Zeit sich Gedanken über einen Transportständer zu machen.

Dieser entstand aus zwei 20mm Holzstangen sowie 8mm Sperrholz:

Er wird nun noch grundiert und lackiert. In welcher Farbe muss ich mal sehen. Schwarz, weiß, grün oder natur? Mal sehen...

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Es wurde dann hellbraun. Da es Lack und Grundierung in einem ist, konnte ich so ein schnelles Ergebnis erzielen und den Ständer für die Fahrt nach Emden nutzen, nachdem die Farbe trocken und die Polster aufgebracht waren.

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Bevor es nun nach Emden gehen sollte, habe ich sicherheitshalber eine Werftprobefahrt im Bresgespark in Mönchengladbach durchgeführt. Diese verlief im Grunde problemlos. Nur die Verkabelung des Schalters für die Elektrik musste ich nochmal ändern:

Der Hauptschalter schaltete entweder den Empfänger/Servo an und die Beleuchtung aus oder eben das Ganze umgekehrt. Das ging natürlich gar nicht! Aber der Fehler war abends schnell behoben.

Erfreulich war auch der Umgang des Antriebsstranges mit der im See befindlichen Wasserpest, einer recht langstieligen Wasserpflanze: Die Pflanzen wurden gehäckselt und der Vortrieb nicht blockiert.
So kam die ALTE LIEBE auch gleich zum ersten Rettungseinsatz:
Ein anderes Modell bekam die Pflanzen in die Schrauben und rührte sich nicht mehr. Dank der umlaufenden Scheuerleiste war eine Annäherung an der Havaristen und die anschließende Bergung schnell erledigt. Personen- oder Lackschäden gab es nicht.

Ein paar Impressionen von der Werftprobefahrt:

Leider ist in Mönchengladbach kein Wellengang vorzufinden wenn man ihn nicht selber macht.
Auf dem nächsten Bild auch zu sehen: Das Schiff, was den ersten Rettungseinsatz auslöste:

 

 

 

Und nach dem Rettungseinsatz nochmal ein Standbild. Erstaunlich wie schwer die Tochterboote im Laufe ihrer Dienstzeit werden und wie tief sie dann im Wasser liegen. Aber so gibt es wenigstens keine Probleme mit der Zuladung:

Die Werftprobefahrt wurde nach etwa einer Stunde erfolgreich beendet und die Akkus an die Ladestationen gehängt. Ergebnis: Theoretisch müsste eine Fahrzeit von 3 Stunden mit überwiegend Volllast möglich sein und damit einer Teilnahme an der Flensburger Hochseefahrt eigentlich nichts im Wege stehen. Dafür möchte ich aber erst den Kentertest durchführen - sicher ist sicher.

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Nachdem die Werfterprobung erfolgt war, konnte es am Pfingstsonntag 2014 zum Schaufahren nach Emden gehen. Im Flanderndelft kam es zum Treffen mit meiner Partnerwerft "ToMa Werft".

Ein paar Impressionen vom Delft:

Treffen verschiedener Einsatzzeiten im Maßstab 1:10 und 1:20: Die ALTE LIEBE und die 1:20er SIGGI GUDJÖNS von ToMa Werft, wie die ALTE LIEBE nach dem Verkauf an den Seenotrettungsdienst Islands hieß, in der isländischen Lackierung:

Nachdem das Wetter nach etwa einer Stunde zu kippen drohte, haben wir eingepackt und auch die Fahrt vor dem Museumskreuzer GEORG BREUSING gecancelt. Stattdessen gab es leckeren Fisch direkt gegenüber der BREUSING aus einer Fischbude.
Dabei wurde ein neuer Plan geschmiedet:
Auf nach Greetsiel! Das Hafenbecken bzw. die Verlängerung des Beckens in Richtung Seedeich ist ein ideales Fahrgewässer und dank des mittlerweile aufbriesenden Windes hoffentlich etwas wellenreicher.

Wir wurden nicht enttäuscht und deswegen lasse ich hier jetzt mal nur Bilder sprechen:

 

Hier fehlt natürlich noch der Nachweis, dass das Modell auch wirklich kentersicher und sich im Fall des Falles selbst wieder aufrichten kann. Die Geschichte zum ersten Kentertest und den später noch folgenden, kann man hier in Schrift und bewegten Bildern verfolgen: 

AL-Kentertest
 

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Für weitere Impressionen und Videos der ALTE LIEBE habe ich eine neue Seite erstellt, damit man hier nicht immer erst den kompletten Baubericht durchscrollen muss.

Zu den Impressionen geht es hier lang.

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Juni 2016:

An dieser Stelle endet der Baubericht der ALTE LIEBE eigentlich. Sollten sich am Modell nochmal nennenswerte Änderungen ergeben, werden ich ihn sicherlich aber wieder öffnen. Ich könnte mir längerfristig durchaus vorstellen den Bauzustand dem Original aus der Cuxhavener Zeit auf die Zeit in Grömitz zu ändern. Dann wäre der Aufbau zum Beispiel komplett leuchtrot und das Dach komplett weiss. Mal sehen... Eines Tages...

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Februar 2017:

Mich erreichen vermehrt Anfragen ob der im Netz angebotene Bausatz von mir stammt oder ob es zumindest ein Abzug meiner ALTE LIEBE ist. Um eins vorne weg zu sagen: Nein, ganz sicher nicht. Dafür sind die Formunterschiede meiner ALTE LIEBE und des Internetangebotes zu groß. Wer sich diesen Baubericht hier genau anschaut, dem werden die Unterschiede sicherlich sofort auffallen. ;o)

 

 

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