Rumpf

 

Am 06.07.2014 war es soweit - ich konnte mir meinen Rumpf bei Herrn Häger auf Rügen abholen.

Das Wetter war so wie man es sich wünscht: Sonne satt, recht warm und ein leichter Wind. Für den Fall, dass der Rumpf -wider Erwarten- nicht ins Auto passen würde, war die Option der offenen Heckklappe möglich. Wenn gleich ich kein gesteigertes Interesse an einer etwa 750km langen Autobahnfahrt mit offener Heckklappe hatte.

Nach kurzer Begrüßung machte meine Frau es sich im Garten bei Frau Häger gemütlich während ich Herrn Häger in "die heiligen Hallen" folgte. Dort stand der Rumpf und meine Aussage "Och, sooo riesig ist der ja gar nicht!" retounierte Herr Häger mit der Antwort: "DAS ist ja auch ein 1:25er Rumpf - und sie wollten ja einen 1.20er, oder? Dann ist DAS hier Ihr Rumpf". Sprach´s und zeigte auf eine Badewanne in der Form eines MARWEDE-Rumpfs. UPS...

Das Teil ins Auto? Öhm... Naja, der Mann an sich ist ja Optimist und deswegen haben wir den Rumpf nach einer kleinen Einweisung in ein paar Besonderheiten bei den sonstigen Einzelteilen zu zweit nach draußen zum Auto getragen.

Wie nun rein mit der Wanne, äh, dem Rumpf?

Erster Versuch: Heck voran und um 90° nach Backbord gedreht zwischen die Vordersitze.
Nunja. Passen, ja, doch. Das wäre gegangen und für 20km Autobahn auch ok. So hätte meine Frau auch vorne sitzen können. Aber bei der Strecke, die wir vor uns hatten. Nein, das ist schon sicherheitstechnisch nicht vertretbar gewesen.

Also Rückenlehne des Beifahrersitzes und des rechten Sitz der Rückbank ebenfalls falten. Kofferrauminhalt (wir waren vor Rügen noch eine Woche an der Nordsee) etwas nach links räumen und dann den Rumpf mit dem Heck voran in den Kofferraum schieben. Die sonstigen Teile in den Rumpf legen, alles mit den Gurten sichern. Damit der Rumpf bei einer Bremsung nicht gegen das Armaturenbrett hämmert, wurde eine Polsterung mittels Stofftier angebracht und nach der Deaktivierung des Beifahrerairbags war die Verladung abgeschlossen.

Keine Sorge, ich habe meine Frau auch wieder mit nach Hause genommen. Wer mir als Finanzministerin so ein Projekt genehmigt, hat Anrecht auf einen Sitzplatz - auch wenn dieser halt hinten liegt.

Dann konnte es wieder auf den Heimweg gehen.

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Der Bau beginnt am 01.02.2015 mit der ersten Stellprobe der Unterkonstruktion für das Achterdeck und die untere Rückwand des Turms.

Die Unterkonstruktion habe ich zunächst mit Sekundenkleber zusammengeklebt. Später verstärke ich diese noch mit zusätzlichen Verstrebungen und Unterleisten. Das Modell soll später ebenso rauwasserfähig sein wie die ALTE LIEBE und STEPPKE und da ist eine zusätzliche Versteifung sicher kein Nachteil.

Die Position der unteren Turmrückwand wurde bestimmt und mit zwei Bohrungen durch die Rumpfwand provisorisch mittels Metallstäben gesichert.

Noch nicht eingebaut, sondern erstmal nur zum Maßnehmen eingestellt und mittels Panzertape in Form gehalten:

Die untere Turmrückwand und die Unterkontruktion des Achterdecks:

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Damit die auf den Rumpf wirkenden Kräfte bei Schlechtwetterfahrten nicht alle nur vom Deck und der Unterkonstruktion aufgenommen werden müssen, habe ich den Rumpf im Bereich des Achterdecks auf jeder Seite zunächst mit einer 1m-Buchenleiste von 10x30mm verstärkt.

Hierfür kam angedicktes Epoxidharz zum Einsatz, sodass es nicht zu einem Verlaufen kommen konnte und eine bessere Verarbeitbarkeit erreicht wurde. Zunächst wurde die Lage der Leiste an Steuerbord mit Bleistift angezeichnet, dann der Rumpf auf die zu bearbeitende Seite gedreht und fixiert. In die Markierung habe ich dann die relativ feste Masse gestrichen. Dort, wo sich die Scheuerleisten des Rumpfes und die Holzleiste überschneiden, habe ich die Vertiefungen mit dem Harz ausgefüllt, sodass die Leisten über die gesamte Länge verklebt sind.

Dann wurde der Rumpf wieder auf ebenen Kiel gedreht, die Leisten angedrückt und mit Schraubzwingen fest am Rumpf befestigt.

An dieser Stelle mal ein herzliches DANKESCHÖN an meinen Kollegen Reinhard, der mir mit den beiden großen Schraubzwingen ausgeholfen hat!

Das überquillende Harz wurde dann verstrichen und geglättet. Damit das Holz später kein Wasser ziehen kann, habe ich die Leiste auch an der Oberseite mit Harz bestrichen.

Damit die Schraubzwingen nicht mit eingeharzt werden, habe ich Panzertape auf die Kontaktflächen geklebt: So lassen sie sich später problemlos wieder entfernen.

Zwei Tage später war dann die Backbordseite dran:

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Auch der Heckbereich erhielt mittlerweile eine Verstärkung im Bereich der Abrisskante bzw. der Heckklappe. Dafür habe ich eine 30x10mm Buchenleiste auf Maß gesägt und eingeharzt. Auch hier kam wieder etwas Eindickungsmittel zum Einsatz - wenn auch deutlich weniger als an den Rumpfwänden.

Die drei Klammern sorgen für den nötigen Anpressdruck während des Aushärtens. Zwar hinterlassen sie im Epoxy auch ihre Spuren, aber da in dem Bereich vermutlich eh geschliffen werden muss um die Heckwanne einzupassen, ist das nicht so dramatisch. Da ist das durchgehende Einziehen des Epoxy in die Holzleiste wichtiger.

Außerdem habe ich die Unterkonstruktion des SAR-Decks mit dem Rumpf verklebt und anschließend mit Epoxy eingepinselt. Jetzt hat Wasser keine Chance mehr später mal das Holz zum Quellen zu bekommen.

Der Karton kommt natürlich wieder raus. ;o)

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Nach der Aushärtung des Epoxy konnte es mit der Rückwand des Turmes weitergehen.

Sie wurde nochmal genau ausgerichtet und mit Stabilit Express mit dem Rumpf verklebt. Natürlich hätte ich das auch mit Epoxy machen können, aber das restliche Verdickungsmittel war bei der Heckversteifung draufgegangen.

Grundsätzlich ist das vom Klebeergebnis her egal und die schnellere Aushärtungszeit des Stabilits sogar einen großen Vorteil: Man kann schneller weiter arbeiten.

Um den Kleber auch zwischen die Rumpf- und Rückwandkontaktflächen zu bekommen, habe ich mich wieder einmal einer Spritze mit Kanüle bedient. Wer das mal nachmachen will, sollte aber zwei Dinge beachten: 
 

1) Die Kanüle unbedingt mit der Spritze verkleben! Der Druck beim Herauspressen des doch recht festen Kleber sorgt sonst für böse Überraschungen.

2) Kanülen ohne Spitze verwenden oder die Spitze vorher abschleifen. Die Verletzungsgefahr ist einfach zu groß und Injektionen von Kleber können auch nicht gesund sein.

Eine halbe Stunde nach dem Durchhärten des Stabilits konnte es bereits mit der Unterkonstruktion des Beckdecks weitergehen. Wegen der gewünschten (noch) höheren Festigkeit kommen zwischen die Längs- und Querstringer zusätzliche querverlaufende Stringer wie in einem Fachwerkhaus zum Einsatz. Den Anfang machte nach der normalen Konstruktion das Kreuz mit einer Stabilisierungsplatte in der Mitte.

Außerdem werden die Längs- und Querstringer zusätzliche Verstärkungen an der Unterseite erhalten. Die erste Verstärkung wird von den beiden Schraubzwingen und den drei Klammern in Position gehalten. Als Kleber kommt bei Holz zu Holz-Verbindungen Ponal zum Einsatz. Bei Holz zum PS Sekundenkleber. 

Ein Zwischenstand:

Die Holzleiste, die mit den roten Klammern gehalten wird, dient nur der provisorischen Versteifung der Turmrückwand um eine versehentliche Verformung zu vermeiden.

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Weiter ging es mit zwei weiteren Querverstrebungen:

Aber es waren natürlich noch nicht alle...

Auch der Turm benötigt später eine seitliche Führung. Hier wird jetzt zunächst die herstellerseitig vorgesehene Version verbaut. Wenn der Aufbau fertig ist, werde ich hier sicherlich noch einige Änderungen vornehmen - das Modell soll später ja auch maßstabsgerechte Wellenberge abreiten können ohne Schaden zu nehmen.

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Wie schon im Bereich des SAR-Decks, bekommt der Rumpf auch im Bereich des Backdecks auch jeder Seite eine Buchenleiste (10x30mm) spendiert. Um den nötigen Druck ausüben zu können und damit die Seite auch wirklich gerade wird, habe ich für die Dauer der Montage eine identische Leiste außen angebracht. Für die Trocknungszeit des angedickten Epoxyharzes wurde so eine sehr stabile Grundlage geschaffen. Beide inneren Leisten werden wieder vollständig mit Epoxy eingestrichen und später wasserfest zu sein.

24 Stunden später war alles ausgehärtet und die Klammern konnten wieder entfernt werden und sich neuen Aufgaben zuwenden.

Um den Süllrand weiter zu versteifen, kamen unter die eigentlichen Holzleisten jeweils noch eine 5x10mm Kieferleiste. Durch die quer angeklebte Leisten wird das gewünschte Ergebnis mit einem einfachen Mittel erreicht:

Da das Wetter heute gut war, konnte der vordere Teil für den Bugbereich nach Montage draußen trocknen. Noch nicht fertig, weil noch einige zusätzliche Leisten fehlen, aber man kann schon erkennen was es mal werden soll:

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Die Montage in den Rumpf ist erfolgt, zusätzliche Leisten montiert und die querverlaufenden Stringer wurden bis zum Rumpfende verlängert. Dies ist vom Hersteller nicht vorgesehen, weil es im "normalen" Modellbetrieb auf einem Ententeich nicht erforderlich ist, aber meine MARWEDE soll ja auch artgerecht auf der Nordsee fahren können ohne Schaden zu nehmen:

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50 Gramm Epoxyharz und 20 Gramm Härter vermischen, Thixotropiermittel dazu und schon hat man eine nicht mehr verlaufende, gut verarbeitbare Masse angerührt um die Konstruktion für das Backdeck mit dem Rumpf zu verkleben:

Ganz vorne in die Spitze kamen noch zwei Verlängerungen rein und wieder etwas Harz:

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Zwischenzeitlich erreichte mich eine Nachfrage zum Rumpf, wie groß man sich den vorstellen müsste. Da Bilder mehr sagen als 1000 Worte, habe ich mal ein Bild vom Modelllager gemacht. Das kleine rote im Bild ist das FLB2 Düsseldorf von Robbe, dessen Größe jedem Modellbauer ein Begriff sein dürfte:

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Fortsetzung folgt ...

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