Bugstrahlruder

Die Bugstrahlruder dienen beim Original der besseren Manövrierbarkeit beim Anlegen, bei der Annäherung an andere Schiffe oder auch zur Haltung einer bestimmten Position auf See.

Die HERMANN MARWEDE hat aufgrund Ihrer Größe gleich zwei Bugstrahler im Bug verbaut.

Natürlich sollten diese im Modell ebenso eingebaut werden, denn auch hier machen sie zur besseren Manövrierbarkeit durchaus Sinn.

Da man aufgrund des Einbauortes im Bug später nicht mehr an die Bugstrahler herankommt - zumindest nicht ohne erhebliche Zerstörungen - war es mir wichtig hier gewisse Ansprüche an die Qualität der Bugstrahler zu stellen. Eine weitere Herausforderung bei dieser Modellgröße ist, dass es keine fertigen Bugstrahler der notwendigen Baugröße gibt. Es musste eine Maßanfertigung hier.

Das Lastenheft der Werft sah also so aus:

  • Maßstabsgerechte Ausführung
  • qualitativ hochwertig
  • Salzwasserbeständigkeit
  • Kugellager
  • wartungsfrei
     

Fündig geworden bin ich dann letztlich bei der Firma Jedamski, die die Bugstrahler passend nach den Originalmaßen hergestellt hat und das erfreulichste daran: Das Preisleistungsverhältnis stimmt auch.

Angetrieben werden die beiden Bugstrahler später mit einem Motor, der über einen Riemen beide Propellerwellen antreibt.

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Mittlerweile sind auch Motor und Fahrtregler in der Werft eingetroffen. Bei dem Motor handelt es sich um einen ROXXY OUTRUNNER 4250/07, der von einem BL-CONTROL 960-6 angesteuert wird.

Technische Daten                                                        ROXXY OUTRUNNER 4250/07
Zellenzahl LiPo 3 - 5
Leerlaufdrehzahl pro Volt 700 U/min/V
Strombereich 12 - 38 A
Strom max. 43 A
Gewicht 195 Gramm
Durchmesser Motorwelle 5 mm
Durchmesser x Länge 42 x 50 mm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Da die Drehzahl der Bugstrahler 3000 Umdrehungen nicht übersteigen darf, werde ich die Drehzahl später sicherheitshalber elektronisch begrenzen.

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Ich wurde zwischenzeitlich gebeten mal einen Größenvergleich in das Bugstrahlerbild einzubauen. Dieser Bitte komme ich gerne nach, daher nochmal ein Bild mit einem 1-Cent-Stück zum Vergleich:

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Weiteres Material ist angekommen:

Bei diesem Bauteil handelt es sich um den lasergeschnittenen Motoren- und Riemenhalter, an dem später der Antriebsmotor und die Umlenkrolle des Riemenantriebs montiert werden.

Wo man so etwas bekommt? Nun, per Hand so ein Bauteil zu fertigen, ist sicherlich nicht möglich.

Ein Modellbaukollege, der die Seite SAR-Modellbau-Technik betreibt, baut auch eine Marwede in 1:20 und hat ihn entwickelt. Über diese beiden Projekte sind wir in Kontakt gekommen. Kleiner Tipp: Er wird in Kürze auch einen eigenen kleinen Shop für Technikteile aufmachen.

An sich ist das Teil gar nicht mal so klein - im Rumpf wirkt es allerdings doch etwas verloren:

Um die spätere Montage im Rumpf darzustellen, habe ich die beiden Bugstrahler und der Motor mal losen zusammengebaut. Natürlich müssen die Rohre am späteren Verlauf noch gekürzt werden und nach der Endmontage werden die Wellen der Bugstrahler und des Motors auf der selben Höhe sein:

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Soweit zur Theorie. Bauen wir die Bugstrahlruder "einfach" mal ein.

Zunächst galt es die Lage der Löcher im Rumpf zu bestimmen. Laut Plan der DGzRS liegen die Mittelpunkte der BSR bei Spant 72 und 75,5, was vom Heck aus betrachtet bei 180cm und 188,75cm bedeutet. Dies ist jedoch, wie schon befürchtet, zu weit vorne um das Innenleben des vorderen Bugstrahlruders innerhalb des Rohres zu halten.

Die Lösung war, den Einbau 25mm weiter in Richtung Heck zu verlegen. Ein Kompromiss, aber ein herausstehendes Innenleben fände ich sehr viel schlimmer. Und selbst die 25mm sind schon sehr knapp bemessen. Aber dazu später mehr.

Los ging es mit dem Anzeichnen der senkrechten und horizontalen Führungslinien innerhalb derer die Löcher für die Rohre gefräst werden müssen. Die Herausforderung dabei ist, dass die Rohre an sich zwar völlig rund sind, aber die Löcher insgesamt oval werden müssen: Die Rumpfform erfordert das einfach. 

Da es beim Fräsen natürlich schon ordentlich staubt, habe ich mir den Rüssel vom Staubsauger für jedes Loch passend mit Panzertape an den Rumpf geklebt. Gesünder für die Lunge und sauberer für den Raum ist es auf jeden Fall.

Beim Fräsen müssen die Löcher auch etwas größer als erforderlich werden um etwas Platz zum Ausrichten zu haben, sodass kein Verzug entsteht bzw. keine Spannung aufgebaut wird. Das könnte später zu Problemen durch Spannungsrisse oder dergleichen führen, was wiederum (da unterhalb der Wasserlinie liegend) Wasser im Schiff bedeuten würde.

Da der Antrieb später über einen Zahnriemen erfolgt, müssen die beiden Wellen penibelst gerade zueinander stehen. Hierfür sorgt die silberne "Schablone":

Die Rohre werden in den Rumpf eingefädelt, was besser ging als befürchtet, und dann kam die Schablone auf die Wellen:

Schön ausrichten, feststellen, dass die Löcher im Rumpf die richtige Größe haben und dann noch mit Stabilit-Express fixieren und diesen noch aushärten lassen:

Von außen betrachtet sieht das aktuell so aus:

Ich bin gefragt worden, warum ich Stabilit Express nehme, denn Stabilit ist nicht ewig haltbar bei Wasserkontakt und kann später sogar brüchig werden.

Die Anwendung von Stabilit hat praktische Gründe:

1) Stabilit ist beim Anmischen besser zu dosieren
2) Stabilit wird beim Aushärten nicht plötzlich nochmal ein bisschen flüssig
3) Er dient hier nur zum fixieren - danach kommt Epoxidharz zum Einsatz
4) Der Stabilit dichtet die Spalten gut ab und das Epoxidharz kommt da nicht mehr durch

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Damit hier später in der Praxis keine Undichtigkeiten auftreten, müssen die Bugstrahlruder noch eingeharzt werden. Hierfür kommen zwei Lagen 280er GfK-Matte mit Köper zum Einsatz, die den gesamten Bereich abdecken und damit für den nötigen Verbund zwischen BSR und Rumpf sorgen sollen. 

Vorher mussten die Messingteile angeschliffen werden und die Wellen abgedeckt werden - denn wenn auch nur etwas Epoxidharz auf die Wellen kommt, wäre das das Ende für das jeweilige BSR.

Man MUSS dafür keine Carbonrohre -wie hier geschehen- nehmen. Aber es waren einfach die einzigen vor Ort, die den passenden Innendurchmesser hatten:

Da man die Matte nicht so ohne weiteres um die Rohre legen kann und um noch mehr Stabilität zu erreichen, wurde zunächst Epoxidharz mit Glasfaserschnitzeln versetzt bis eine modellierbare Masse entstand. Damit wurde dann der Raum unter den Rohren gefüllt und der Rest auf den Rohren verteilt:

Dann kamen die genannten 280er Matten zum Einsatz:

Das Ganze durfte dann erstmal ordentlich durchhärten.

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01. Mai 2015 - TAG DER ARBEIT

So ein geschichtsträchtiger Feiertag ist genau der richtige um die Rohre zu kürzen. Zum Einsatz kommen dabei Diamantschleifscheiben, ein Eisensäge und eine Schleifmaschine.

Wieviel Aufwand das machen würde, hatte ich nicht gedacht. Die Schleifscheiben auf der Proxon hatten schon ganz schöne Mühe durch das Material zu kommen und das dauerte und dauerte... Auch, weil die Proxon immer wieder abkühlen musste.

So sah das morgens noch aus:

Und dann ging es langsaaam, sehr langsaaam weiter. Grausam...

Stunden später ... konnte ich diese beiden Rohre dann verschleifen. Glücklicherweise nicht per Hand:

Leider stehen auf der anderen Seite aber noch zwei weitere Rohre raus...

Aber auch die waren irgendwann gekürzt und verschliffen...

und das sieht gar nicht so schlecht aus.

Dieser "Tag der Arbeit" war arbeitsreich - aber auch sehr schön und wenn ich mir das Ergebnis so anschaue, hat es sich gelohnt. Die Schleifspuren und die Bruchstelle im Kiel müssen natürlich noch gespachtelt und verschliffen werden, aber das ist eine Sache die noch etwas warten kann.

Obwohl die Bugstrahler gar nicht mal so klein sind, gehen sie am Modell schon ein wenig unter...

Das ist beim Original aber eben auch nicht viel anders...

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Die Bugstrahler werden später über einen Zahnriemen mit einem Motor angetrieben und dafür kann nun das weiter oben bereits erwähnte, lasergeschnittene Aluminiumteil eingebaut werden.

Hierfür habe ich Epoxidharz soweit angedickt, dass es selbst an der steilen Bugwand nicht mehr verläuft. Da die Ausrichtung der Bugstrahler bereits eim Einkleben erfolgt ist, war dieser Schritt jetzt schnell erledigt.

Das bewusst etwas mehr angerührte Epoxidharz habe ich verwendet um die Bugstrahler selbst auch noch weiter damit zu benetzen. Ob das was nutzt? Keine Ahnung. Aber schaden kann es auch nicht.

Am Ende sieht das Ergebnis nun so aus - eingeharzt für die "Ewigkeit":

Die Teile für den Riemenantrieb habe ich mir bei Thomas Kettner vom SAR-Modellbautechnik-Shop bestellt. Wenn diese vorliegen, kann es an den Einbau des Motors gehen:

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Die drei Riemenscheiben, eine Umlenkrolle sowie der Riemen vom SAR-Modellbautechnik-Shop sind gekommen. Jetzt kann der Einbau beginnen:

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Der Einbau war schnell erledigt.

Riemenscheiben aufstecken, Klemmschrauben anziehen, Umlenkradachse in das Laserteil schrauben, Umlenkrolle aufstecken und mit selbstsichernder Mutter fixieren, Motor montieren, Riemen ausziehen, Riemen durch Verschieben des Motors leicht spannen, Motor festschrauben. Fertig.

Die Lage des Riemens sieht schon gut aus. Eine abschließende Feinjustierung erfolgt später.

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Die Schutzgitter

Die HERMANN MARWEDE hat vor den Bugstrahlern jeweils ein Schutzgitter, damit keine größeren Gegenstände in den Tunnel geraten und die Bugstrahler Schaden nehmen. Vielleicht auch damit da keine Robben rein- oder daran vorbeischwimmen und durch die Propeller zu Fischfutter verarbeitet werden.

Während ich mir Gedanken zu diesem relativ grazilen Bauteil gemacht habe, war ich auch auf verschiedenen Schaufahren, bei denen ein Modell der MARWEDE im Maßstab 1:25 ausgestellt war. Schon dessen Länge von 1,84m macht die Schwierigkeiten beim Handling des hier beschriebenen Modells deutlich.

Am Heck kann man den Rumpf aufgrund seiner Breite noch recht gut greifen um ihn zu tragen, am Bug wird das mangels echter Greifmöglichkeit schon schwieriger. Und wenn der Rumpf nass ist, wird er zusätzlich auch noch deutlich glatter als er ohne hin schon sein wird.

An einem Kreuzermodell in 1:10, das exakt so lang ist wie mein Modell hier, habe ich eine Lösung dafür gesehen, die genial einfach ist:

Im Unterwasserschiffsbereich des Bug haben die Erbauer dort ein Loch angebracht, in das man ein Tau stecken kann und was dann, eine Schlaufe bildend, als Griff fungiert.

Ein solches Loch möchte ich aber aus optischen Gründen nicht am Modell haben. Was tun?  

Alle Vor- und Nachteile sowie Möglichkeiten berücksichtigend, werde ich wohl die Schutzgitter weglassen.

Warum?

  • Robben sind im Bereich des Modells eher selten und wenn nicht maßstäblich verkleinert.
  • Die Gitter würden vermutlich beim ersten Trageversuch irrtümlich eingedrückt werden.
  • Ohne die Gitter kann man die Öffnungen problemlos als Griff nutzen, egal ob nass oder trocken.
  • Eventuell eingesaugte Wasserpflanzen werden vermutlich eh gehäckselt und falls nicht fällt das Entfernen ohne die Gitter deutlich leichter

Das heißt dann, dass dieser Abschnitt damit der erste ist, der als abgeschlossen gelten darf.

*** ENDE ***

 

 

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